Auch bei Sturm

Bitte stell mir deine Geister vor
Die manchmal sitzen in deinem Ohr
Und all die Dämonen
Die seit Jahren
Angeblich in deinem Bauch wohnen

Ich hab zwar gesagt
Ich würde klar kommen
Wenn du sie einsperrst
Um sie zu bändigen
Aber ich möchte mich waffenlos
All den wilden Tieren
Aushändigen
Sonst wird unsere Geschichte
Zu einem quälenden Zirkus
Zu einem elendigen

Bevor sie uns kurz nach Beginn einfach weiterleiten
Können wir einen Tauschbazar veranstalten
Du darfst meine schlechten Seiten
In deinen Händen halten
Manchmal schnurren sie
Dann darfst du sie mit Fingerfarben frei gestalten

Ich werde deinen Flausen im Kopf
Ein Nest bauen
Und sie werden sich wohlfühlen
Werden wahrscheinlich nicht mehr abhauen
Ohne Hintergedanken
Lernen wir so zu vertrauen

Und all unsere Angewohnheiten
Werden sich zu Erkennen geben
Und manchen werden wir nachwinken
Mit anderen werden wir zusammenleben
Vielleicht werden wir ein Stückchen tiefer sinken
Aber es wird kein Blut an unseren Fingern kleben

Im Notfall
Bauen wir uns einen Leuchtturm
Nicht wegen dem Licht
Oder wegen den Booten
Mehr so, als Zeichen
Und falls meine Hände
Deine Hände
Nicht erreichen

Dann leuchtets dort am Turm
Und es leuchtet auch
Bei Sturm

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für mich

Ein Liebesgedicht

Manchmal nerv ich nicht
Mich selbst während einer spricht
Dann bin ich gefangen
in einer Mischung aus Selbstaufgabe
Und Verlangen

Manchmal gebe ich auf zu bestehen
Schau dem Wind zu
Und lass meine Haare wehen
Hör sogar auf mich im Spiegel
Das Tausendste mal anzusehen

Manchmal liegen meine Hände still und leicht
Auf meinem Bauch
Und ich spür den eigenen Puls
Und für den Moment reicht das dann auch

Manchmal schreib ich mir auf Füße und andere Gelenke
Komplimente an mich selbst
Und sitz auf Brücken
Während ich die guten Worte hin und herschwenke
Und zuschaue wie sich unter mir schließen
Belanglose Lücken

Das sind die guten Momente
In denen ich Liebesgedichte
Auf rauen Oberflächen hinterlege
Und mich auf Seilen von Dach zu Dach
Grazil über fremden Lebensansichten
Tanzend hin und her bewege

Das sind die Momente
In denen dramatische Abgründe
Zu Hintergründen werden
Während das Lächeln auf meinem Mund
Wieder reinrutscht in den Vordergrund

Momente
Die sich abzeichnen auf der Haut
In denen ich diejenige bin die sich traut
Weiterzumachen
Und sich selbst auszulachen
Allein aufzuwachen
Freundschaften schließt
Mit eigenen Drachen

Und die Augen nicht zu verschließen
Wenn sie am Rande der Dächer stehen
Um auf dich zu schießen

(juni/2017)

Ein Fluss

Wo sind die Grenzen
Zwischen Einfluss und Vereinnahmung
Welche Manipulierung dürfen wir schwänzen
Und wann dürfen wir Laut geben
Zur Warnung

Wo war der eine Schritt
Den du zu weit gegangen bist
Wer gab dir einen Tritt
Und hat dich gefangen
Ohne großer List

Deine offenen Hände
Wurden manipuliert
Du hast ein Geschenk bekommen
Hast Lügen mit Hoffnung verwirrt

Du nähst dir Vorhänge
Für deine eigenen Augen
Ziehst die Gedanken in die Länge
Lässt dir von Fremden
Die Energie aussaugen

Deine Füße tragen weitere Lasten
Du gehst fremde Wege
Dein Atem kommt seit langem
Nicht mehr zum Rasten
Dein Rücken steht in der Schräge
Während dein Körper sich biegt
Und ein fremdes Gefühl
Über dein eigenes siegt

Der Anfang war wie ein Kuss
Ein sanfter ohne Hintergedanken
Jetzt wirst du weitergezogen von einem Fluss
Dein Boot ohne Segel gerät immer mehr ins schwanken
Die Ruder hast du längst verloren
Wir hatten uns mal Ehrlichkeit geschworen

Diejenigen die übrig bleiben
Können am Ufer dem Fluss zusehen
Und Wörter immer wieder umdrehen
Einfluss oder
Manipulation
Ein Fluss
Oder selbstgerechter Hohn

Du treibst davon grinsend
Und neben all dem winken
Schauen wir einfach zu
Während du und dein Boot
Ohne großem Wirbel
Einfach versinken

‚über uns selbst‘

Wir haben uns geweigert
Die Selbstkontrolle einzutauschen
Haben uns neu entdeckt als wir aufschauten
Wenn mit Getöse die Träume in der Vergangenheitsform
Vorbeirauschen

Ich glaube nicht an den richtigen Moment
Ich glaube auch nicht an Märchen und letzte Worte
Die heißen „The end“

Ich glaube an den Tod
Der passiert während man spricht
Ohne eingefügten Beistrichen, vor dem letzten Atemzug
Ich glaube in der Not
Ist die Selbstkontrolle dein letztes Gericht
Und man muss sich entscheiden ob das Gesagte war: genug

Und meistens ist es das nicht
Aber wir glauben an die Selbstverwirklichung genau dann
Wenn wir aufstehen und sagen „ok viel Glück-
Ich gehe lieber alleine ein paar Felder zurück“
Dann fühlt man sich noch einmal stark und sehr erhaben
Kann sich an all den Erinnerungen als der Überlebende erlaben

Hat sich nicht in den Abgrund gestürzt
Hat das Finale nochmal mit den eigenen Worten gewürzt
Ist noch mal dem Ende entronnen
Kann sich glücklich und kontrolliert
nochmal in der absoluten Freiheit sonnen

Vor allem sich selbst nochmal feiern
Weil man gezielt die Selbstkontrolle ergriffen hat
an den Eiern

Wir sind Helden in der Zurückhaltung
Merken nicht wie das ganze System ohne Schonung
Fehler aufzeigt in der Gesamtverwaltung
In der Not nennen wir unsere Angst einfach Disziplin
Loben uns selbst für die Kontrolle die wir erzielen
Wenn wir uns selbst aussuchen für die Wohnung
neue Dielen

Außerdem leben wir so selbstbewusst
Und für jeden fremdverschuldeten Fehler
Sagen wir uns leise
„Ich habs doch gewusst“

Im Endeffekt
Und daran glaube ich
Ist der Abgang selten einer
der wartet bis man den letzten Satz beendet
Und endlich alles hat ausgesprochen
Bevor sich das Blatt wendet
Und selten gibt’s noch nur um endlich zu genügen
Ein paar weitere Wochen
Der Abgang ist dann das letzte
Aber ohne Vergnügen

Deswegen hier noch ein letztes mal
„ok viel Glück“
Ich hoff du hast Erfolg
Mit deinem eigenem Stück

Ich geh nochmal los
Um meine sich selbst verlierende Selbstkontrolle
Gegen die Träume einzutauschen
Bevor sie endgültig
In der Ferne davonrauschen

Oder Bussi Baba

In der Fortbewegung
Von einem Gedanken zum nächsten
Vergesse ich meistens
Den einen Guten den ich hatte davor
Bevor er davonschlich aus dem linken Ohr

Ich schreibe in den Sand
Bussi Baba
Vielleicht sehen wir uns nochmal
In einem Jahr

Meistens kommt er dann wieder
Und in einer Gedankenvereinigung
Schreiben mein Kopf und mein Herz
Zusammen Lieder
Und singen sie
Immer und immer wieder

Genau wegen diesem Singsang
Geh ich immer wieder weg
Schreib auf die Hand
Bussi Baba
Und distanziere mich
Manchmal auch lang

Ich habe meinen Füßen
Die Aufgabe gegeben
Nicht stehen zu bleiben
Mache trotzdem Zigarettenpausen
Um kurz zu pausieren
Und mir manche Gedanken einzuverleiben
Und den Kopf und das Herz
Noch ein bisschen zu verwirren

Im Endeffekt
Schreibe ich auch auf die Füße
Bussi Baba
Die sind vom vielen weitergehen
Auch ziemlich verdreckt
Aber wir sind ziemlich eingespielt
Und haben mittlerweile
Zwischen Trödeln und Eile
Eine gute Balance erzielt

Meine Erkenntnis zur Welt
Ist, dass sie nichts zusammenhält
Jeder kämpft ums eigene überleben
Bleibt hängen beim hirnwichsen
Und glaubt irgendwann trifft er auf Wunder
Kobolde oder Wassernixen

Deswegen bin ich geworden
Ein ‚Bussi Baba’
Kurz bevor sich Gedanken aufhängen
Und ich stecken bleibe
In fremden Zwängen

Ein einfaches
In die Luft geworfenes
Bussi Baba
Wahrscheinlich treffen wir uns wieder
Wenn einer sagt
Ja

Oder Bussi Baba

Bis sie ein Teil werden, vom eigenen Fuß

Kennst du die Geschichte von dem Einen
Der ausflog um Igel von ihren Stacheln zu befreien?
Bitte tus verneinen!
Dann werde ich dich höchstpersönlich einweihen

Es war einmal Einer oder Eine
Dieser hatte eine Nase und Beine
Ging durch die Gegend mit einem Ziel
Igel zu befreien von all den Stacheln
Dachte sie sind nur nackte Mäuse mit viel Unglück
Dachte wenn er die Stacheln entfernt
Gibt er ihnen ihre Ursprungsform zurück

So wurde er Experte im Befreien
Ging von Haus zu Haus
Zog Schiefer und Splitter aus Füßen heraus
Konzentriert, auch wenn manche plötzlich aufschreien
Manchmal entfernte er auch unangenehmes aus Herzen
Meistens kamen sobald er ging, dann die Schmerzen

Er wusste noch nichts von Wundreinigung
Und das Herzen neigen zur Selbstheilung
Wenn man ihnen gibt die nötige Zeit
Er entfernte was zu entfernen war
Und ging dann weiter, zur eigenen Sicherheit

Als er verschrien war als Einer
Der nur Schmerzen und Löcher hinterließ
Musste er abreisen
Er ging los und wollte allen beweisen
Dass Entfernungen von Fremdkörpern
Eine Notwendigkeit war
Und seine Aufgabe von Wichtigkeit sei
ganz und gar

Er studierte an sich selbst
Zerbrach eine gefundene Fensterscheibe
Ging durch die Scherben ohne Schuh
Spürte im Schmerz eine Befriedigung am eigenen Leibe
Und im herauslösen einzelner Splitter
Fand er seine Ruh

Er lachte die Menschen aus
Die sich verkrampften
Sobald Splitter sich fanden
Sie lieber feststampften
Bis sie ein Teil werden vom eigenen Fuß
Anstatt sie sachte zu lösen und davonzuschicken mit einem Gruß

Und er wurde traurig
Wenn er die Menschen sah
Wie sie humpelnd jeden Splitter im Fuß
Als Prüfung einfach hinnahmen
Ohne zu merken wie sie langsam erlahmen
Aber er war keiner der rumging
Um andere zu ermahnen

Auch erkannte er dass nicht jeder Fremdkörper
Ein Übel ist
Man musste differenzieren
Durfte sich nicht im anfänglichen Schein verirren
Musste erst beobachten, sich anfreunden
Um dann zu entscheiden
Ob eine Trennung die Lösung sei
Oder ob der Fremdkörper eine Bereicherung war
Für die beiden

Er behielt seine Weisheit für sich
Wusste von der Menschheit
Sie war noch nicht bereit
Und er war auch das klugscheißen ziemlich leid

So sah man ihn nicht mehr
Manche munkelten er sei der Verrückte
Einer dem das Leben ist zu schwer
Bis er irgendwann
An selbstzugefügten Splittern verunglückte

Manche sagen sie sehen ihn noch heute
Und dass jetzt Igel sind seine neue Beute
Er sitzt mit ihnen und zieht ihnen Stachel für Stachel
Bis sie zahm werden
So fand er seinen Frieden auf Erden

Ich glaub nicht daran
Ich glaube er lebt noch immer mit seiner Erkenntnis
Über Splitter und Unannehmlichkeiten
Läuft über Scherben und zieht die unangenehmen heraus
An den anderen wächst er selbst über sich hinaus

Tanzt mit Igeln und Mäusen
Lässt sich nicht mehr verurteilen
Muss sich nicht mehr um Erklärungen beeilen
Er wurde zum Tänzer und er ist der einzige den man kennt
Der einzige der unangenehmes beim Namen nennt

Er tanzt alleine auf Festen und fremden Hochzeiten
Tanzt als einziger..

Weil
Ohne Splitter in den Füßen
Muss man seine Tanzfähigkeit nicht einbüßen

Im Tausch, irgendein Gewinn

Ein paar Schritte noch
Dann können wir die gemeinsamen Stunden werfen
In das davor ausgehobene Loch

Du beschreibst meine Logik mit Ironie
Ich summe noch ein Abschiedslied
Du spielst auf der Geige eine kleine Sinfonie

Während wir in der Sonne dem Ende entgegen gehen
Ganz langsam ohne Eile
Manchmal bleiben wir noch stehen
Besprechen das Leben für eine Weile

In unserer reflektierten Aufgeklärtheit
Wissen wir vom anstehenden Ende
Halten uns trotzdem an der Hand

Früher schrieben wir noch Liebeserklärungen an die Wände
Und umgingen Schritt für Schritt
Wand für Wand

Heute prahlen wir mit unserer sozialen Kompetenz
Werfen uns Synonyme an den Kopf
Und jonglieren diverse Gesetze, bis sie passen in einen Topf
In Klomuscheln finden wir noch Spuren
Von unserer emotionalen Intelligenz
Bevor wir weiter im Leben herumhuren

Zur Abwechslung sprechen wir auch
Von den berühmten Erfahrungen
Die jeder mit sich trägt in seinem Bauch
Und zitieren altklug die alten Leute
Die ihr Leben verlebt haben
Und sich bei Fehltritten zusammenrotten
Wie eine passiv-aggressive Meute

Wir gönnen uns die Freiheit selbst zu entscheiden
Gönnen uns danach auf Rezept verschrieben
Jahrelang zu leiden
Gönnen uns trotzdem nicht uns selbst zu lieben
Im Nachhinein werden wir uns einfach
All unser Erinnerungsvermögen zurechtschieben

So dreht es sich weiter im Kreis
Die Jungen werden alt
Die Alten sterben ohne Preis

Dazwischen leben wir
Und hin und wieder
Teilen wir uns in Teilchen
Und singen uns Liebeslieder
Bleiben zusammen für ein Weilchen
Finden uns großartig immer wieder
Und sterben dann doch
Meist steht dann schon bereit, unser eigenes Loch

Frei nach dem Sinn
Nimm meine Seele
Im Tausch nehme ich irgendeinen Gewinn