Schienbeine

Manchmal feiere ich diese Blockaden
Und auch die Stoppel auf den Schienbeinen
Und auf den Waden
Und auch die Zeichnung
die ich auf die Türe hänge
Die ich absolut nicht schön finde
Und die laut demonstriert
gegen alle Perfektionszwänge
Oder die Mitesser
Die garnicht mitessen
Meistens auf der Nase
Wie Blumen die halbvergessen
Herumhängen in ihrer Vase

Ich sammle diese Fehler
Und manchmal sitzen wir zusammen
Meist auf Nacht
Dann besprechen wir die Lage
Bis jeder nur noch lacht

Mit Fehlern lässt sichs gut amüsieren
Die sind authentisch
Und können bei ‚Mensch ärger dich nicht’
Gut verlieren
Keiner hat eine Maske vorm Gesicht
Vor allem lügen sie dich nicht an
Und stellen sich nicht dar in falschem Licht

Das schönste daran
Ist die Erkenntnis
Die man dann meistens erkennt

All unsere Fehler und Schwächen
Und alle Blockaden
Die Makel im Gesicht
Die Narben und Dellen
All die Flecken, die dunklen und hellen
Und die Krampfadern an den Waden
Aus schwachsinnigen Gründen
Verstecken wir sie lieber in Schubladen

Anstatt sie voll Stolz
In der Sonne
wie die eigene Haut zu tragen
Und laut und deutlich
‚Das bin ich. Danke dafür.’
Zu sagen

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‚über uns selbst‘

Wir haben uns geweigert
Die Selbstkontrolle einzutauschen
Haben uns neu entdeckt als wir aufschauten
Wenn mit Getöse die Träume in der Vergangenheitsform
Vorbeirauschen

Ich glaube nicht an den richtigen Moment
Ich glaube auch nicht an Märchen und letzte Worte
Die heißen „The end“

Ich glaube an den Tod
Der passiert während man spricht
Ohne eingefügten Beistrichen, vor dem letzten Atemzug
Ich glaube in der Not
Ist die Selbstkontrolle dein letztes Gericht
Und man muss sich entscheiden ob das Gesagte war: genug

Und meistens ist es das nicht
Aber wir glauben an die Selbstverwirklichung genau dann
Wenn wir aufstehen und sagen „ok viel Glück-
Ich gehe lieber alleine ein paar Felder zurück“
Dann fühlt man sich noch einmal stark und sehr erhaben
Kann sich an all den Erinnerungen als der Überlebende erlaben

Hat sich nicht in den Abgrund gestürzt
Hat das Finale nochmal mit den eigenen Worten gewürzt
Ist noch mal dem Ende entronnen
Kann sich glücklich und kontrolliert
nochmal in der absoluten Freiheit sonnen

Vor allem sich selbst nochmal feiern
Weil man gezielt die Selbstkontrolle ergriffen hat
an den Eiern

Wir sind Helden in der Zurückhaltung
Merken nicht wie das ganze System ohne Schonung
Fehler aufzeigt in der Gesamtverwaltung
In der Not nennen wir unsere Angst einfach Disziplin
Loben uns selbst für die Kontrolle die wir erzielen
Wenn wir uns selbst aussuchen für die Wohnung
neue Dielen

Außerdem leben wir so selbstbewusst
Und für jeden fremdverschuldeten Fehler
Sagen wir uns leise
„Ich habs doch gewusst“

Im Endeffekt
Und daran glaube ich
Ist der Abgang selten einer
der wartet bis man den letzten Satz beendet
Und endlich alles hat ausgesprochen
Bevor sich das Blatt wendet
Und selten gibt’s noch nur um endlich zu genügen
Ein paar weitere Wochen
Der Abgang ist dann das letzte
Aber ohne Vergnügen

Deswegen hier noch ein letztes mal
„ok viel Glück“
Ich hoff du hast Erfolg
Mit deinem eigenem Stück

Ich geh nochmal los
Um meine sich selbst verlierende Selbstkontrolle
Gegen die Träume einzutauschen
Bevor sie endgültig
In der Ferne davonrauschen

entsinnt.

Wenn sich der Sinn
Nicht offiziell anmeldet
Sich vorstellt
Mit Namen und den täglichen Taten

Dann schließt man ihm die Tür
Vor seiner Nase, vor seinem Mund
Er muss dann vor der Türe schlafen
Wie ein trauriger Hund

Wenn der Sinn versucht sich zu erklären
Nach Worten sucht
Verzweifelt, weil er nicht viele kennt

Dann hören wir meist nicht hin
Und nicht her
Verscheuchen ihn
Zur Not auch mit Gewehr

Wenn der Sinn dann loszieht
Alleine und vergessen
Ins Weite
In die Welt

Dann sitzen wir zuhause am Fenster
Warten auf ihn
Tagelang
Nächtelang
Zünden eine Kerze an
Manche beten dann

Der Sinn verkauft mittlerweile
Seinen Körper an Fremde
Meistens für Geld
Manchmal gegen seine Langeweile

Ich ruf ihn manchmal an
In Zeiten die nach Sommer riechen
Wenn sinnlose Wörter in meine Ohren kriechen
Dann reden wir kurz
Er hat nichts mehr zu teilen

Der Sinn ist kurz davor
Sich selbst zu erhängen
Er möcht sich nicht mehr anbiedern
An Leute und Orte
Er will die Welt verlassen

Ich glaub er will sich nicht mehr selbst hassen

weiche Knie

Sicherheit
So wie wir danach streben
Ist eine Lüge
Ich weiß nicht wer sie sich ausgedacht hat
Aber wir werden sie nie erleben

Wahrscheinlich war es nur
Einer von vielen Scherzen
Einer meinte
„Sicherheit ist das Ziel“
Und der Zweite nahm es sich zu Herzen

Seitdem werden wir dazu erzogen
Uns mit Sicherheiten Bänder zu knüpfen
Auch wenn sie eindeutig sind: erlogen
Werden wir weiter mit ihnen Gummitwist hüpfen

Meistens sind die Lügen noch sicherer
Als die Wahrheit
Meistens bekommen wir weiche Knie
Bei zu viel Klarheit

Während wir Ratgeber lesen
Um Unsicherheiten zu bekriegen
Könnten wir sie auch feiern
Und gemeinsam in der Sonne liegen
Mit unseren Unsicherheiten
Gegen die Norm siegen

Bei Kontaktaufnahmen
Mit Menschen die wir gern sehen
Könnten wir offen dazu stehen
Dass nichts an uns sicher ist
Und dies aber trotzdem kein Grund ist
Zu gehen

Wahrscheinlich ists nur eine Utopie
Und wohlmöglich ist das Streben nach Sicherheit
Erklärbar durch unsere Biographie

Trotzdem ist es nicht die Lösung
Nach der wir glauben uns zu sehnen
Im Endeffekt
Sind Unsicherheiten
Genauso sicher
Wie kleine Blutkörperchen
In unseren Venen

Im Endeffekt
Ist nur dort ein Fortschritt
Wo wir Unsicherheiten erkennen
Und nicht davonrennen
Sondern sie beim Namen nennen

oder reden wir lieber nicht mehr

reden

Sternzeiten
Glücksritte
lachende Tränen
tanzende Füße
meine Stimme schlägt Purzelbäume
deine rennt meiner nach

wenn du meine Hand hältst
meine Finger zählst
bis 395391

wir unsere Stimmen in den Wind legen
stimmlos dem Wind folgen
mit Selbst gebauten Segeln
auf dem Meer
bis der Horizont sich lachend biegt

Könnten wir reden
Der Wind würde uns die Wörter klauen
Könnten wir lieben
Die Sonne würde uns auslachen in der Nacht
Könnten wir tauschen
mit den Vögeln
würden wir uns suchen und verlieren
immer wieder von vorne bis nach hinten
unten
oben
Könnten wir Angst haben
vor dem Leben
würden wir sterben

Aber wir können nicht
nicht jetzt

vielleicht in 3 mal 4 Zeitbestimmungen

Ich bin da
hier
jetzt
und dort

Eigentlich können wir nämlich

Alles.

Irgendwie

manchmal

Manchmal ist es gut zu vergessen
Vergessen
die Leute
Die,
die nicht leben ihr Leben,
sondern lieber zerstören und verhindern
Ersticken und erdrücken

Manchmal ist es gut
Naiv und unschuldig durch die Welt zu gehen
Mit Fliegen zu plaudern
Mit Moskitos zu streiten
Bäume zu umarmen
Zu erkennen
dass wir nichts sind
Leute zu küssen
Zu erkennen
Dass wir viel sind
Sterne zu zählen
Und zu erkennen
Dass es das selbe ist
Nichts
Und viel

Und manchmal ist es gut
Zu sehen
Dass da Sachen passieren
Neben deinem Leben
Die du nicht verstehst
Dass da Mädchen sind die weinen wenn sie alleine sind
Weil es Lehrer gibt die sie angreifen
Dass da Leute sind
Die Macht haben
Weil sie Geld haben
Leute
Die dich am Hals packen und warten
Zeigen wer mächtig ist
Leute die ein Loch in sich haben
Und es füllen mit dieser Macht
Dich zu verletzen

Die sich erfreuen daran
Dich zu verletzen
Weil du mit Fliegen sprichst und Bäume liebst.