abgängig in kurz

Mein Name
Sollt sich nicht mehr in deine Hände verirren
Die sind schmutzig und kalt
Unsere Gefühle von früher
Liegen begraben im Wald

Dein Abgang war meiner
Das Spektakel habe ich dirigiert
Du dachtest, meine Egozentrik
Ist vor zu viel Wein mit Selbstlob
Einfach nur irritiert
Meine Vernunft, ertrunken im Schaumbad
Bevor sie sich blamiert
Ich glaube beide waren nicht mehr
Interessiert

Trauma bestätigt
Empfangen
Beseitigt
Solange wir bleiben
Sind wir gefangen
Verweichlicht
Verheimlicht
Verhangen

Du versuchst noch mal
Am letzten Wort
Ein weiteres anzuknüpfen
Ich lerne jetzt
Von Bäumen auf Dächer zu hüpfen

Brauchst du die Rechnung?
Oder kann ich sie verwerfen
Ich kann dir eine Zeitbestätigung zukommen lassen
Oder Tee ohne Zucker in schwarzen Tassen
Wir können uns weiter nicht sehen
Oder uns weiter hassen

Ich hab gelernt mit Wörtern zu brechen
Und auch mit Menschen
Hab gelernt zu wachsen an Schwächen
Erträumtes nicht mehr in der Realität zu rächen

Der Abgang war leichter
Nicht als gedacht
Der Abgang war von Anfang an
Leicht gemacht

Dramatische Abgänge
Sind meistens keine
Manchmal gleicht das Ganze viel mehr
Einem Losmachen
Von einer zu kurzen Leine

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Hier ein bisschen Glück

Ich glaube dass wir uns leichter tun
So generell, im Miteinander
Wenn wir uns gegenseitig auf die Hände schreiben
„Hier ein bisschen Glück“

Und wir dann zusammen weiter gehen
Bis ans Meer
Und uns nicht wegstoßen,
Zwecks Notwehr
Gemeinsam beschließen
Ab jetzt gibt’s kein Zurück

Ich glaube Glück sollte man nicht konservieren
Oder für schlechtere Zeiten aufheben
Man kann sich kein Stück Glück reservieren
Es wird langsam an uns vorbei schweben
Während wir uns zu sehr aufs ‚Bestehen’ konzentrieren
Glück sollte unser Leben
Nebenbei verzieren

Am besten man konsumiert frisch,
Glück genau dort wo man es findet
Es gibt nichts dass uns daran bindet
Oder Sicherheit
Dass es so bleibt
Und man für immer Glück teilen kann

Zu zweit

Meistens gibt es ein Ende
Auch bei viel Glück
Aber das ändert nichts an der Geschichte
Die uns entzückt

Bis sie verunglückt

Man kann sich auch in den rosa Himmel verlieben
Mit dem Wissen dass er geht
Obwohl man genau unter ihm steht
Man fühlt wie rosa Wind durch die Haare weht
Für den Moment war es rosa
Und für den Moment war das genug
Durch ein Ende
Wird deine Geschichte nicht gleich zu Betrug

Es ist nicht naiv
Glück zu akzeptieren
Im Augenblick
Glück zu nehmen
Und sich fallen zu lassen
Wie bei einem Kick

Vielleicht
Ist das der Trick

Bis sie ein Teil werden, vom eigenen Fuß

Kennst du die Geschichte von dem Einen
Der ausflog um Igel von ihren Stacheln zu befreien?
Bitte tus verneinen!
Dann werde ich dich höchstpersönlich einweihen

Es war einmal Einer oder Eine
Dieser hatte eine Nase und Beine
Ging durch die Gegend mit einem Ziel
Igel zu befreien von all den Stacheln
Dachte sie sind nur nackte Mäuse mit viel Unglück
Dachte wenn er die Stacheln entfernt
Gibt er ihnen ihre Ursprungsform zurück

So wurde er Experte im Befreien
Ging von Haus zu Haus
Zog Schiefer und Splitter aus Füßen heraus
Konzentriert, auch wenn manche plötzlich aufschreien
Manchmal entfernte er auch unangenehmes aus Herzen
Meistens kamen sobald er ging, dann die Schmerzen

Er wusste noch nichts von Wundreinigung
Und das Herzen neigen zur Selbstheilung
Wenn man ihnen gibt die nötige Zeit
Er entfernte was zu entfernen war
Und ging dann weiter, zur eigenen Sicherheit

Als er verschrien war als Einer
Der nur Schmerzen und Löcher hinterließ
Musste er abreisen
Er ging los und wollte allen beweisen
Dass Entfernungen von Fremdkörpern
Eine Notwendigkeit war
Und seine Aufgabe von Wichtigkeit sei
ganz und gar

Er studierte an sich selbst
Zerbrach eine gefundene Fensterscheibe
Ging durch die Scherben ohne Schuh
Spürte im Schmerz eine Befriedigung am eigenen Leibe
Und im herauslösen einzelner Splitter
Fand er seine Ruh

Er lachte die Menschen aus
Die sich verkrampften
Sobald Splitter sich fanden
Sie lieber feststampften
Bis sie ein Teil werden vom eigenen Fuß
Anstatt sie sachte zu lösen und davonzuschicken mit einem Gruß

Und er wurde traurig
Wenn er die Menschen sah
Wie sie humpelnd jeden Splitter im Fuß
Als Prüfung einfach hinnahmen
Ohne zu merken wie sie langsam erlahmen
Aber er war keiner der rumging
Um andere zu ermahnen

Auch erkannte er dass nicht jeder Fremdkörper
Ein Übel ist
Man musste differenzieren
Durfte sich nicht im anfänglichen Schein verirren
Musste erst beobachten, sich anfreunden
Um dann zu entscheiden
Ob eine Trennung die Lösung sei
Oder ob der Fremdkörper eine Bereicherung war
Für die beiden

Er behielt seine Weisheit für sich
Wusste von der Menschheit
Sie war noch nicht bereit
Und er war auch das klugscheißen ziemlich leid

So sah man ihn nicht mehr
Manche munkelten er sei der Verrückte
Einer dem das Leben ist zu schwer
Bis er irgendwann
An selbstzugefügten Splittern verunglückte

Manche sagen sie sehen ihn noch heute
Und dass jetzt Igel sind seine neue Beute
Er sitzt mit ihnen und zieht ihnen Stachel für Stachel
Bis sie zahm werden
So fand er seinen Frieden auf Erden

Ich glaub nicht daran
Ich glaube er lebt noch immer mit seiner Erkenntnis
Über Splitter und Unannehmlichkeiten
Läuft über Scherben und zieht die unangenehmen heraus
An den anderen wächst er selbst über sich hinaus

Tanzt mit Igeln und Mäusen
Lässt sich nicht mehr verurteilen
Muss sich nicht mehr um Erklärungen beeilen
Er wurde zum Tänzer und er ist der einzige den man kennt
Der einzige der unangenehmes beim Namen nennt

Er tanzt alleine auf Festen und fremden Hochzeiten
Tanzt als einziger..

Weil
Ohne Splitter in den Füßen
Muss man seine Tanzfähigkeit nicht einbüßen

Wie Geraden, die um uns zirkulieren

Manche Entdeckungen
Werden stattfinden
Zwischen den Stunden
Während wir kratzen an den Rinden
Und Blut auflecken von den Wunden

Unbedachte Bewegungen
Die Organe zum platzen bringen
Ich hab dir zum Einschlafen ein Lied gesungen
Bevor die Nadeln in die Haut eindringen

Manche Entdeckungen
Werden passieren
Sie schleichen sich ein bis unter die Haut
Während wir jegliche Veränderung notieren
Und kauernd aufhorchen bei jedem neuen Laut

Unbedachte Erregungen
Die deinen Puls unzählbar machen
Am Tisch liegen 2 Kugeln- nicht weit
Unausgesprochene Tatsachen
Die zweite erhöht die Wahrscheinlichkeit

Manche Entdeckungen
Werden sich in die Geschichte eingravieren
Während wir in der Gegenwart
Versuchen sie auszuradieren
Sie werden zu neuen, sinnlosen Floskeln
Die uns nicht mehr loslassen
Sie werden zu Geraden, die um uns zirkulieren
Vielleicht werden wir sie hassen
Aber wir werden sie nicht verlieren

Manche Entdeckungen
Bleiben unentdeckt
Wir wissen von ihnen
Halten sie versteckt

Manchmal hören wir sie nachhallen
Wenn Gedanken sich verselbständigen
Und vor uns auf den Boden fallen
Sie werden sich uns selbst aushändigen
Wir werden weiterhin nach der Ungewissheit krallen

Manche Entdeckungen werden wir trotz elendigen
Erregten Versuchen
Nie bändigen.

in memoriam -vertrocknet

Mittlerweile ist die Pflanze vertrocknet
Am Fensterbrett
Kurz bevor sie ihr erstes Blatt
in die Sonne
Gestreckt hat

Wir dachten sie schafft das alleine
Ohne Wasser
Ohne Worte
Dachten ihr wachsen noch Beine

Mittlerweile habe ich meinen Namen geändert
Und du die Adresse
Kurz bevor, da noch gedankenloses passiert wäre
Ich kam mit dem Messer
Und du mit der Schere

Wir dachten wir seien besser als die anderen
Haben Regeln erfunden mit roten Wangen
Sind gegen den Strom geschwommen
Um die besten Fische zu fangen

Mittlerweile liegt die Pflanze samt Topf
Im Kompost hinterm Haus
Begraben in Kartoffelschalen
Begraben neben der toten Maus

Wir dachten aus der Maus wird ein Mäusebaum
Wir dachten unser Leben sei ein wahnsinnig spannender Alptraum
Wir dachten Mandarinen seien essbare Brüste
Und dass Länder wandern bis zur Küste
Wir dachten uns Wörter aus zu Farben die schon existierten
Und am Nachmittag gingen wir so lange im Kreis
Bis wir uns verirrten

Mittlerweile
Sind all die Gedanken vergessen
Unsere Kräfte haben wir
Mindestens zweimal gemessen
Alle Versprechen ohne weiteres gebrochen
Und all das innerhalb, von weniger
Als vielen Wochen

Mittlerweile kommt die Erkenntnis jede Nacht
Wie Schluckauf der sich nicht ziert
Realität wird zu Tode gedacht
Und Gedanken zu Tode realisiert

Wir dachten noch-
Dann dachten wir nicht mehr

Mittlerweile steht eingeritzt im Mäusebaum:
‚Kurzweilig weilte sie in der Mitte,
Langweilig vermittelte sie eine Weile’

In Erinnerung an unsere Topfpflanze.
In Erinnerung an vertrocknete Träume.

Abgang des Wissenden

375a

Geh!
Wissen, GEH!

Schrie ich noch,
Bevor ich schwieg

Bevor vergessene Traurigkeit
In meinen Bauch stieg
Bevor verdrängte Wahrheiten
Sich bereitmachten zum Krieg

Sie sprechen vom Wissen als Instanz
Ich bleibe naiv, manchmal nenn ich mich Franz

Du sagst es sei Demenz
Ich nenn es Vehemenz

Während der Begriff ‚Vehemenz’ ein Synonym für Butter wird
Ich dich zum 3. Mal nach mir selbst frage
Und den Kuchen unterm Bett verstecke
Manchmal auch ganz ohne Zwecke

Geh Wissen!

Ich will dich mir selbst bilden,
das Wissen,
will nicht mehr hören,
‚Hast du kein Gewissen?’

Geh Wissen!

Du bist nur noch alt und benutzt
Als Wort entfremdet
Und verfälscht

Wir wissen ich bin nur dement
Wenn es darum geht mich zu kategorisieren
Wir wissen ich bin nur vehement
Wenn es darum geht dich zu pauschalisieren

Lass uns von vorn beginnen
Tauschen wir unsere Namen
Reden wir nicht mehr um zu gewinnen
Ich bin offen wenn du es bist. Amen

Ge wissen. Geh!
Und komm dann wieder

In Form einer meiner Lieblingslieder

Distanz oder This dance

376

„Die Nähe wird dir zum Verhängnis noch

Sprach der Maulwurf

Und buddelte sich ein Loch

 

Ich und die Nähe

Sind sehr distanzlos

Auf Distanz

 

Aus der Nähe

Schaffen wir Abgründe

Zwischenmenschlich

Und auch zwischen Uns

 

Die Distanz zwinkert mir zu

Kommt manchmal näher

Ich bin wohl verliebt in sie

Mit der Distanz habe ich Sex

Aus der Ferne

 

Die Nähe fordert mich zum Tanz auf

Wir trinken Wein und lachen

Wir sind gut darin

Den Abgründen neue Gründe zu machen

Der Tanz bleibt einsam

 

Die Distanz tanzt nicht mit mir

Sie verspricht Sicherheit

Die nicht existiert hier

Wir sind uns dessen bewusst

 

Die Nähe gibt Komfort

Flüstert mir falsche Namen ins Ohr

Sie streichelt mein Haar

Macht manchmal Träume wahr

Bevor sie geht, mit den Träumen

 

 Ich habe losgelassen einfach

Jetzt treffen sie sich auf halbem Wege

Distanz und Nähe

Tanzen erst schüchtern dann befreit

Tanzen zu zweit

Nah und distanziert

 

 

Den Unterschied habe ich selbst erfunden

Der Distanz zu oft die Schuld gegeben

An eigenem Versagen

Die Nähe zu oft weggezogen

Aus eigenem Versagen

 

Loslassen gibt frei

Vor allem die Angst

Vor Nähe

Vor Distanz

 

Loslassen macht frei

Der Maulwurf zählt bis Drei

Dann tanzen sie

This dance.