und endlich

Unendlich viel
Unendlich lange
Kuss auf die Wange
Hand in der Zange

Mit einem Fuß ist man im nassen
Der Kopf hustet manchmal
Und man würd gern
Lassen
Loslassen
Nicht hassen
Dazupassen
Anfassen

Aber man sitzt so am Rand
Unendlich viel
Und endlich lange

Spuckt in die Hand
Weil das machen die Starken
Spuckt aufs Gewand
Weil das machen die Harten
Spuckt auf die Haut
Weil das machen die Zarten
Zeichnet sich Zeichen
Mit Spucke, wenn keiner schaut
Weil man sich traut

Der Kopf atmet weiter
Ein und aus
Unendlich viel
Unendlich lange

Man löst sich auf
Löst andere ein
Steht im trockenen
Mit einem Bein
Fällt zu Boden
Unendlich viel
Unendlich lange

Man weiß wie Astronauten das machen
Sie gleiten dahin
Gleitendes lachen
Unendlich viel
Unendlich lange
Und sind sich bewusst
Egal was kommt
Unendlich bleibt hier
Unendlich geht fort
Besser man sucht sich ein anderes Wort
Besser man sucht sich einen schönen Ort
Sonst taumelt man vor sich hin
Und her

Unendlich viel
Und
Unendlich lange
Und

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Ein Avocadobaum

Fang noch mal an
Aber fang dir nichts ein
Heb erst das linke
Dann das rechte Bein

Geh ein paar Schritte
Geh nach vorne
Und lass altes beim Alten
Mach neues zu deinem
Und lass die anderen
Den Rest verwalten

Häng dir ein Schild um den Hals
Und mach die Augen zu
Kauf dir ein Schaf
Oder kauf eine Kuh

Machs diesmal anders
Als beim letzten Anfang

Wirf weg den Anhang,
All die Entwürfe und Skizzen
Im Endeffekt
Bleibst du auf denen nur sitzen

Lass die Kühe frei
Und auch die Schafe
Du bist kein Hirte mehr
Pflanz diesmal einen Avocadobaum
Nenn ihn Hermann
Oder nenn ihn Traum
Frag nicht mehr ‚Wann‘
Bade in Licht und Schaum
Sag nicht mehr ‚Dann‘

Und erzähel von diesem Anfang
Von deinem Baum
Erzähl mir
Von deinem Traum

Von Anfang
Bis zum Ende

Fang noch mal an

abgängig in kurz

Mein Name
Sollt sich nicht mehr in deine Hände verirren
Die sind schmutzig und kalt
Unsere Gefühle von früher
Liegen begraben im Wald

Dein Abgang war meiner
Das Spektakel habe ich dirigiert
Du dachtest, meine Egozentrik
Ist vor zu viel Wein mit Selbstlob
Einfach nur irritiert
Meine Vernunft, ertrunken im Schaumbad
Bevor sie sich blamiert
Ich glaube beide waren nicht mehr
Interessiert

Trauma bestätigt
Empfangen
Beseitigt
Solange wir bleiben
Sind wir gefangen
Verweichlicht
Verheimlicht
Verhangen

Du versuchst noch mal
Am letzten Wort
Ein weiteres anzuknüpfen
Ich lerne jetzt
Von Bäumen auf Dächer zu hüpfen

Brauchst du die Rechnung?
Oder kann ich sie verwerfen
Ich kann dir eine Zeitbestätigung zukommen lassen
Oder Tee ohne Zucker in schwarzen Tassen
Wir können uns weiter nicht sehen
Oder uns weiter hassen

Ich hab gelernt mit Wörtern zu brechen
Und auch mit Menschen
Hab gelernt zu wachsen an Schwächen
Erträumtes nicht mehr in der Realität zu rächen

Der Abgang war leichter
Nicht als gedacht
Der Abgang war von Anfang an
Leicht gemacht

Dramatische Abgänge
Sind meistens keine
Manchmal gleicht das Ganze viel mehr
Einem Losmachen
Von einer zu kurzen Leine

Hier ein bisschen Glück

Ich glaube dass wir uns leichter tun
So generell, im Miteinander
Wenn wir uns gegenseitig auf die Hände schreiben
„Hier ein bisschen Glück“

Und wir dann zusammen weiter gehen
Bis ans Meer
Und uns nicht wegstoßen,
Zwecks Notwehr
Gemeinsam beschließen
Ab jetzt gibt’s kein Zurück

Ich glaube Glück sollte man nicht konservieren
Oder für schlechtere Zeiten aufheben
Man kann sich kein Stück Glück reservieren
Es wird langsam an uns vorbei schweben
Während wir uns zu sehr aufs ‚Bestehen’ konzentrieren
Glück sollte unser Leben
Nebenbei verzieren

Am besten man konsumiert frisch,
Glück genau dort wo man es findet
Es gibt nichts dass uns daran bindet
Oder Sicherheit
Dass es so bleibt
Und man für immer Glück teilen kann

Zu zweit

Meistens gibt es ein Ende
Auch bei viel Glück
Aber das ändert nichts an der Geschichte
Die uns entzückt

Bis sie verunglückt

Man kann sich auch in den rosa Himmel verlieben
Mit dem Wissen dass er geht
Obwohl man genau unter ihm steht
Man fühlt wie rosa Wind durch die Haare weht
Für den Moment war es rosa
Und für den Moment war das genug
Durch ein Ende
Wird deine Geschichte nicht gleich zu Betrug

Es ist nicht naiv
Glück zu akzeptieren
Im Augenblick
Glück zu nehmen
Und sich fallen zu lassen
Wie bei einem Kick

Vielleicht
Ist das der Trick

Bis sie ein Teil werden, vom eigenen Fuß

Kennst du die Geschichte von dem Einen
Der ausflog um Igel von ihren Stacheln zu befreien?
Bitte tus verneinen!
Dann werde ich dich höchstpersönlich einweihen

Es war einmal Einer oder Eine
Dieser hatte eine Nase und Beine
Ging durch die Gegend mit einem Ziel
Igel zu befreien von all den Stacheln
Dachte sie sind nur nackte Mäuse mit viel Unglück
Dachte wenn er die Stacheln entfernt
Gibt er ihnen ihre Ursprungsform zurück

So wurde er Experte im Befreien
Ging von Haus zu Haus
Zog Schiefer und Splitter aus Füßen heraus
Konzentriert, auch wenn manche plötzlich aufschreien
Manchmal entfernte er auch unangenehmes aus Herzen
Meistens kamen sobald er ging, dann die Schmerzen

Er wusste noch nichts von Wundreinigung
Und das Herzen neigen zur Selbstheilung
Wenn man ihnen gibt die nötige Zeit
Er entfernte was zu entfernen war
Und ging dann weiter, zur eigenen Sicherheit

Als er verschrien war als Einer
Der nur Schmerzen und Löcher hinterließ
Musste er abreisen
Er ging los und wollte allen beweisen
Dass Entfernungen von Fremdkörpern
Eine Notwendigkeit war
Und seine Aufgabe von Wichtigkeit sei
ganz und gar

Er studierte an sich selbst
Zerbrach eine gefundene Fensterscheibe
Ging durch die Scherben ohne Schuh
Spürte im Schmerz eine Befriedigung am eigenen Leibe
Und im herauslösen einzelner Splitter
Fand er seine Ruh

Er lachte die Menschen aus
Die sich verkrampften
Sobald Splitter sich fanden
Sie lieber feststampften
Bis sie ein Teil werden vom eigenen Fuß
Anstatt sie sachte zu lösen und davonzuschicken mit einem Gruß

Und er wurde traurig
Wenn er die Menschen sah
Wie sie humpelnd jeden Splitter im Fuß
Als Prüfung einfach hinnahmen
Ohne zu merken wie sie langsam erlahmen
Aber er war keiner der rumging
Um andere zu ermahnen

Auch erkannte er dass nicht jeder Fremdkörper
Ein Übel ist
Man musste differenzieren
Durfte sich nicht im anfänglichen Schein verirren
Musste erst beobachten, sich anfreunden
Um dann zu entscheiden
Ob eine Trennung die Lösung sei
Oder ob der Fremdkörper eine Bereicherung war
Für die beiden

Er behielt seine Weisheit für sich
Wusste von der Menschheit
Sie war noch nicht bereit
Und er war auch das klugscheißen ziemlich leid

So sah man ihn nicht mehr
Manche munkelten er sei der Verrückte
Einer dem das Leben ist zu schwer
Bis er irgendwann
An selbstzugefügten Splittern verunglückte

Manche sagen sie sehen ihn noch heute
Und dass jetzt Igel sind seine neue Beute
Er sitzt mit ihnen und zieht ihnen Stachel für Stachel
Bis sie zahm werden
So fand er seinen Frieden auf Erden

Ich glaub nicht daran
Ich glaube er lebt noch immer mit seiner Erkenntnis
Über Splitter und Unannehmlichkeiten
Läuft über Scherben und zieht die unangenehmen heraus
An den anderen wächst er selbst über sich hinaus

Tanzt mit Igeln und Mäusen
Lässt sich nicht mehr verurteilen
Muss sich nicht mehr um Erklärungen beeilen
Er wurde zum Tänzer und er ist der einzige den man kennt
Der einzige der unangenehmes beim Namen nennt

Er tanzt alleine auf Festen und fremden Hochzeiten
Tanzt als einziger..

Weil
Ohne Splitter in den Füßen
Muss man seine Tanzfähigkeit nicht einbüßen

Wie Geraden, die um uns zirkulieren

Manche Entdeckungen
Werden stattfinden
Zwischen den Stunden
Während wir kratzen an den Rinden
Und Blut auflecken von den Wunden

Unbedachte Bewegungen
Die Organe zum platzen bringen
Ich hab dir zum Einschlafen ein Lied gesungen
Bevor die Nadeln in die Haut eindringen

Manche Entdeckungen
Werden passieren
Sie schleichen sich ein bis unter die Haut
Während wir jegliche Veränderung notieren
Und kauernd aufhorchen bei jedem neuen Laut

Unbedachte Erregungen
Die deinen Puls unzählbar machen
Am Tisch liegen 2 Kugeln- nicht weit
Unausgesprochene Tatsachen
Die zweite erhöht die Wahrscheinlichkeit

Manche Entdeckungen
Werden sich in die Geschichte eingravieren
Während wir in der Gegenwart
Versuchen sie auszuradieren
Sie werden zu neuen, sinnlosen Floskeln
Die uns nicht mehr loslassen
Sie werden zu Geraden, die um uns zirkulieren
Vielleicht werden wir sie hassen
Aber wir werden sie nicht verlieren

Manche Entdeckungen
Bleiben unentdeckt
Wir wissen von ihnen
Halten sie versteckt

Manchmal hören wir sie nachhallen
Wenn Gedanken sich verselbständigen
Und vor uns auf den Boden fallen
Sie werden sich uns selbst aushändigen
Wir werden weiterhin nach der Ungewissheit krallen

Manche Entdeckungen werden wir trotz elendigen
Erregten Versuchen
Nie bändigen.

in memoriam -vertrocknet

Mittlerweile ist die Pflanze vertrocknet
Am Fensterbrett
Kurz bevor sie ihr erstes Blatt
in die Sonne
Gestreckt hat

Wir dachten sie schafft das alleine
Ohne Wasser
Ohne Worte
Dachten ihr wachsen noch Beine

Mittlerweile habe ich meinen Namen geändert
Und du die Adresse
Kurz bevor, da noch gedankenloses passiert wäre
Ich kam mit dem Messer
Und du mit der Schere

Wir dachten wir seien besser als die anderen
Haben Regeln erfunden mit roten Wangen
Sind gegen den Strom geschwommen
Um die besten Fische zu fangen

Mittlerweile liegt die Pflanze samt Topf
Im Kompost hinterm Haus
Begraben in Kartoffelschalen
Begraben neben der toten Maus

Wir dachten aus der Maus wird ein Mäusebaum
Wir dachten unser Leben sei ein wahnsinnig spannender Alptraum
Wir dachten Mandarinen seien essbare Brüste
Und dass Länder wandern bis zur Küste
Wir dachten uns Wörter aus zu Farben die schon existierten
Und am Nachmittag gingen wir so lange im Kreis
Bis wir uns verirrten

Mittlerweile
Sind all die Gedanken vergessen
Unsere Kräfte haben wir
Mindestens zweimal gemessen
Alle Versprechen ohne weiteres gebrochen
Und all das innerhalb, von weniger
Als vielen Wochen

Mittlerweile kommt die Erkenntnis jede Nacht
Wie Schluckauf der sich nicht ziert
Realität wird zu Tode gedacht
Und Gedanken zu Tode realisiert

Wir dachten noch-
Dann dachten wir nicht mehr

Mittlerweile steht eingeritzt im Mäusebaum:
‚Kurzweilig weilte sie in der Mitte,
Langweilig vermittelte sie eine Weile’

In Erinnerung an unsere Topfpflanze.
In Erinnerung an vertrocknete Träume.