Ein Avocadobaum

Fang noch mal an
Aber fang dir nichts ein
Heb erst das linke
Dann das rechte Bein

Geh ein paar Schritte
Geh nach vorne
Und lass altes beim Alten
Mach neues zu deinem
Und lass die anderen
Den Rest verwalten

Häng dir ein Schild um den Hals
Und mach die Augen zu
Kauf dir ein Schaf
Oder kauf eine Kuh

Machs diesmal anders
Als beim letzten Anfang

Wirf weg den Anhang,
All die Entwürfe und Skizzen
Im Endeffekt
Bleibst du auf denen nur sitzen

Lass die Kühe frei
Und auch die Schafe
Du bist kein Hirte mehr
Pflanz diesmal einen Avocadobaum
Nenn ihn Hermann
Oder nenn ihn Traum
Frag nicht mehr ‚Wann‘
Bade in Licht und Schaum
Sag nicht mehr ‚Dann‘

Und erzähel von diesem Anfang
Von deinem Baum
Erzähl mir
Von deinem Traum

Von Anfang
Bis zum Ende

Fang noch mal an

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Im Tausch, irgendein Gewinn

Ein paar Schritte noch
Dann können wir die gemeinsamen Stunden werfen
In das davor ausgehobene Loch

Du beschreibst meine Logik mit Ironie
Ich summe noch ein Abschiedslied
Du spielst auf der Geige eine kleine Sinfonie

Während wir in der Sonne dem Ende entgegen gehen
Ganz langsam ohne Eile
Manchmal bleiben wir noch stehen
Besprechen das Leben für eine Weile

In unserer reflektierten Aufgeklärtheit
Wissen wir vom anstehenden Ende
Halten uns trotzdem an der Hand

Früher schrieben wir noch Liebeserklärungen an die Wände
Und umgingen Schritt für Schritt
Wand für Wand

Heute prahlen wir mit unserer sozialen Kompetenz
Werfen uns Synonyme an den Kopf
Und jonglieren diverse Gesetze, bis sie passen in einen Topf
In Klomuscheln finden wir noch Spuren
Von unserer emotionalen Intelligenz
Bevor wir weiter im Leben herumhuren

Zur Abwechslung sprechen wir auch
Von den berühmten Erfahrungen
Die jeder mit sich trägt in seinem Bauch
Und zitieren altklug die alten Leute
Die ihr Leben verlebt haben
Und sich bei Fehltritten zusammenrotten
Wie eine passiv-aggressive Meute

Wir gönnen uns die Freiheit selbst zu entscheiden
Gönnen uns danach auf Rezept verschrieben
Jahrelang zu leiden
Gönnen uns trotzdem nicht uns selbst zu lieben
Im Nachhinein werden wir uns einfach
All unser Erinnerungsvermögen zurechtschieben

So dreht es sich weiter im Kreis
Die Jungen werden alt
Die Alten sterben ohne Preis

Dazwischen leben wir
Und hin und wieder
Teilen wir uns in Teilchen
Und singen uns Liebeslieder
Bleiben zusammen für ein Weilchen
Finden uns großartig immer wieder
Und sterben dann doch
Meist steht dann schon bereit, unser eigenes Loch

Frei nach dem Sinn
Nimm meine Seele
Im Tausch nehme ich irgendeinen Gewinn

Sagen sie so,

Sie sagen
Das musst du so machen
Sie sagen
Du musst dich öffnen
Du musst auch mal lachen

Ich selbst
Ein Kind der Traurigkeit
Geh zum lachen erst auf andere Kontinente
Erzähl meine Geheimnisse
Nur Rupert der Ente

Sie sagen
Das musst du so machen
Und Kompromisse eingehen
Weil so entstehen Freundschaften
Mit jenen, die davon profitieren

Man beteiligt sich am Saugen
Man sieht nur noch mit den Augen
Man lässt sich auslöffeln
Von vorne und von hinten
Und muss es genießen
Manchmal vergisst man dann
Die eigenen Topfpflanzen zu gießen

Aber so funktionierts
Sagen sie
Ein Komma hier, ein Amen dort
Die Gesellschaft profitiert
Irgendwo, an einem anderen Ort
Und deine social skills
Die musst du ausbauen
Und sollst dich nicht mehr nur zum Spass
Mit deinem Bruder hauen

Dein Leben ist zwar nicht mehr deins
Aber das muss man so machen
Sagen sie

Ich muss dann meist lachen

Rupert die Ente, grad am aufwachen
Schaut verschlafen
Und sagt nur

‚Kannst ja auch anders machen’

 

whatshallisay

Abgang des Wissenden

375a

Geh!
Wissen, GEH!

Schrie ich noch,
Bevor ich schwieg

Bevor vergessene Traurigkeit
In meinen Bauch stieg
Bevor verdrängte Wahrheiten
Sich bereitmachten zum Krieg

Sie sprechen vom Wissen als Instanz
Ich bleibe naiv, manchmal nenn ich mich Franz

Du sagst es sei Demenz
Ich nenn es Vehemenz

Während der Begriff ‚Vehemenz’ ein Synonym für Butter wird
Ich dich zum 3. Mal nach mir selbst frage
Und den Kuchen unterm Bett verstecke
Manchmal auch ganz ohne Zwecke

Geh Wissen!

Ich will dich mir selbst bilden,
das Wissen,
will nicht mehr hören,
‚Hast du kein Gewissen?’

Geh Wissen!

Du bist nur noch alt und benutzt
Als Wort entfremdet
Und verfälscht

Wir wissen ich bin nur dement
Wenn es darum geht mich zu kategorisieren
Wir wissen ich bin nur vehement
Wenn es darum geht dich zu pauschalisieren

Lass uns von vorn beginnen
Tauschen wir unsere Namen
Reden wir nicht mehr um zu gewinnen
Ich bin offen wenn du es bist. Amen

Ge wissen. Geh!
Und komm dann wieder

In Form einer meiner Lieblingslieder

Distanz oder This dance

376

„Die Nähe wird dir zum Verhängnis noch

Sprach der Maulwurf

Und buddelte sich ein Loch

 

Ich und die Nähe

Sind sehr distanzlos

Auf Distanz

 

Aus der Nähe

Schaffen wir Abgründe

Zwischenmenschlich

Und auch zwischen Uns

 

Die Distanz zwinkert mir zu

Kommt manchmal näher

Ich bin wohl verliebt in sie

Mit der Distanz habe ich Sex

Aus der Ferne

 

Die Nähe fordert mich zum Tanz auf

Wir trinken Wein und lachen

Wir sind gut darin

Den Abgründen neue Gründe zu machen

Der Tanz bleibt einsam

 

Die Distanz tanzt nicht mit mir

Sie verspricht Sicherheit

Die nicht existiert hier

Wir sind uns dessen bewusst

 

Die Nähe gibt Komfort

Flüstert mir falsche Namen ins Ohr

Sie streichelt mein Haar

Macht manchmal Träume wahr

Bevor sie geht, mit den Träumen

 

 Ich habe losgelassen einfach

Jetzt treffen sie sich auf halbem Wege

Distanz und Nähe

Tanzen erst schüchtern dann befreit

Tanzen zu zweit

Nah und distanziert

 

 

Den Unterschied habe ich selbst erfunden

Der Distanz zu oft die Schuld gegeben

An eigenem Versagen

Die Nähe zu oft weggezogen

Aus eigenem Versagen

 

Loslassen gibt frei

Vor allem die Angst

Vor Nähe

Vor Distanz

 

Loslassen macht frei

Der Maulwurf zählt bis Drei

Dann tanzen sie

This dance.

Ich und mein Bild von mir

Ich und mein Bild von mir
Wir sind ein ungutes ‚Wir‘

Aufgezwungen
Wie eine Zahnspange
Festgerungen
Ohne Kuss auf die Wange

Wir sind uns nie einig
Und kennen uns kaum

Aufgesetzt
Wie eine Papierkrone
Mit Draht und falschen Steinen
Ohne Kuss auf die Stirn

Wir stehen nebeneinander
Berühren uns kaum
Wir schlafen sogar im selben Bett
Manchmal lieben wir uns
Meist bekriegen wir uns
Hin und wieder finden wir uns

Finden uns
Auf weißen Wänden
Die Hände voller Farben
Malen neue Bilder zusammen
Verzieren unsere Narben

Malen uns Küsse
Auf Wange und Stirn
Malen uns Küsse
Auf Herz und Hirn

Ich und mein Bild von mir
Manchmal sind wir auch ein gutes ‚Wir‘

4. Im Frieden – Niedergeschrieben

4.

In meinen Notizen
schrieb ich dich
nieder

In fremden Notizen
fand ich dich
wieder

Es klang wie ein Gedicht.
Ich lese es noch ein letztes Mal
in etwas anderem Licht

infremdennotizenaa

Im Drehbuch fehlt die Seite 3
Wir beide sind empört
Du wolltest noch was sagen
Ich habe es nicht mehr gehört

Am Ausgang steht einer
mit einem Schild
Es ruft ‘Es ist aus’
Ich les den letzten Satz
noch ein zweites Mal
Und geh dann still
hinaus

Beim dritten Mal
Waren meine Tränen
nicht mehr
Echt

Du sagtest,
Es ist vorbei
Und du hattest
vollkommen
Recht

Beim vierten Mal
Verblassen die Worte

Mein Glück
ist deinem Hochmut
entwichen
Das letzte Wort
habe ich
gestrichen.

Ruf mich an
Wenn du wieder träumen kannst
Sag Bescheid
Wenn du im Traum
wieder tanzt.