Bis sie ein Teil werden, vom eigenen Fuß

Kennst du die Geschichte von dem Einen
Der ausflog um Igel von ihren Stacheln zu befreien?
Bitte tus verneinen!
Dann werde ich dich höchstpersönlich einweihen

Es war einmal Einer oder Eine
Dieser hatte eine Nase und Beine
Ging durch die Gegend mit einem Ziel
Igel zu befreien von all den Stacheln
Dachte sie sind nur nackte Mäuse mit viel Unglück
Dachte wenn er die Stacheln entfernt
Gibt er ihnen ihre Ursprungsform zurück

So wurde er Experte im Befreien
Ging von Haus zu Haus
Zog Schiefer und Splitter aus Füßen heraus
Konzentriert, auch wenn manche plötzlich aufschreien
Manchmal entfernte er auch unangenehmes aus Herzen
Meistens kamen sobald er ging, dann die Schmerzen

Er wusste noch nichts von Wundreinigung
Und das Herzen neigen zur Selbstheilung
Wenn man ihnen gibt die nötige Zeit
Er entfernte was zu entfernen war
Und ging dann weiter, zur eigenen Sicherheit

Als er verschrien war als Einer
Der nur Schmerzen und Löcher hinterließ
Musste er abreisen
Er ging los und wollte allen beweisen
Dass Entfernungen von Fremdkörpern
Eine Notwendigkeit war
Und seine Aufgabe von Wichtigkeit sei
ganz und gar

Er studierte an sich selbst
Zerbrach eine gefundene Fensterscheibe
Ging durch die Scherben ohne Schuh
Spürte im Schmerz eine Befriedigung am eigenen Leibe
Und im herauslösen einzelner Splitter
Fand er seine Ruh

Er lachte die Menschen aus
Die sich verkrampften
Sobald Splitter sich fanden
Sie lieber feststampften
Bis sie ein Teil werden vom eigenen Fuß
Anstatt sie sachte zu lösen und davonzuschicken mit einem Gruß

Und er wurde traurig
Wenn er die Menschen sah
Wie sie humpelnd jeden Splitter im Fuß
Als Prüfung einfach hinnahmen
Ohne zu merken wie sie langsam erlahmen
Aber er war keiner der rumging
Um andere zu ermahnen

Auch erkannte er dass nicht jeder Fremdkörper
Ein Übel ist
Man musste differenzieren
Durfte sich nicht im anfänglichen Schein verirren
Musste erst beobachten, sich anfreunden
Um dann zu entscheiden
Ob eine Trennung die Lösung sei
Oder ob der Fremdkörper eine Bereicherung war
Für die beiden

Er behielt seine Weisheit für sich
Wusste von der Menschheit
Sie war noch nicht bereit
Und er war auch das klugscheißen ziemlich leid

So sah man ihn nicht mehr
Manche munkelten er sei der Verrückte
Einer dem das Leben ist zu schwer
Bis er irgendwann
An selbstzugefügten Splittern verunglückte

Manche sagen sie sehen ihn noch heute
Und dass jetzt Igel sind seine neue Beute
Er sitzt mit ihnen und zieht ihnen Stachel für Stachel
Bis sie zahm werden
So fand er seinen Frieden auf Erden

Ich glaub nicht daran
Ich glaube er lebt noch immer mit seiner Erkenntnis
Über Splitter und Unannehmlichkeiten
Läuft über Scherben und zieht die unangenehmen heraus
An den anderen wächst er selbst über sich hinaus

Tanzt mit Igeln und Mäusen
Lässt sich nicht mehr verurteilen
Muss sich nicht mehr um Erklärungen beeilen
Er wurde zum Tänzer und er ist der einzige den man kennt
Der einzige der unangenehmes beim Namen nennt

Er tanzt alleine auf Festen und fremden Hochzeiten
Tanzt als einziger..

Weil
Ohne Splitter in den Füßen
Muss man seine Tanzfähigkeit nicht einbüßen

Im Tausch, irgendein Gewinn

Ein paar Schritte noch
Dann können wir die gemeinsamen Stunden werfen
In das davor ausgehobene Loch

Du beschreibst meine Logik mit Ironie
Ich summe noch ein Abschiedslied
Du spielst auf der Geige eine kleine Sinfonie

Während wir in der Sonne dem Ende entgegen gehen
Ganz langsam ohne Eile
Manchmal bleiben wir noch stehen
Besprechen das Leben für eine Weile

In unserer reflektierten Aufgeklärtheit
Wissen wir vom anstehenden Ende
Halten uns trotzdem an der Hand

Früher schrieben wir noch Liebeserklärungen an die Wände
Und umgingen Schritt für Schritt
Wand für Wand

Heute prahlen wir mit unserer sozialen Kompetenz
Werfen uns Synonyme an den Kopf
Und jonglieren diverse Gesetze, bis sie passen in einen Topf
In Klomuscheln finden wir noch Spuren
Von unserer emotionalen Intelligenz
Bevor wir weiter im Leben herumhuren

Zur Abwechslung sprechen wir auch
Von den berühmten Erfahrungen
Die jeder mit sich trägt in seinem Bauch
Und zitieren altklug die alten Leute
Die ihr Leben verlebt haben
Und sich bei Fehltritten zusammenrotten
Wie eine passiv-aggressive Meute

Wir gönnen uns die Freiheit selbst zu entscheiden
Gönnen uns danach auf Rezept verschrieben
Jahrelang zu leiden
Gönnen uns trotzdem nicht uns selbst zu lieben
Im Nachhinein werden wir uns einfach
All unser Erinnerungsvermögen zurechtschieben

So dreht es sich weiter im Kreis
Die Jungen werden alt
Die Alten sterben ohne Preis

Dazwischen leben wir
Und hin und wieder
Teilen wir uns in Teilchen
Und singen uns Liebeslieder
Bleiben zusammen für ein Weilchen
Finden uns großartig immer wieder
Und sterben dann doch
Meist steht dann schon bereit, unser eigenes Loch

Frei nach dem Sinn
Nimm meine Seele
Im Tausch nehme ich irgendeinen Gewinn

Wie Geraden, die um uns zirkulieren

Manche Entdeckungen
Werden stattfinden
Zwischen den Stunden
Während wir kratzen an den Rinden
Und Blut auflecken von den Wunden

Unbedachte Bewegungen
Die Organe zum platzen bringen
Ich hab dir zum Einschlafen ein Lied gesungen
Bevor die Nadeln in die Haut eindringen

Manche Entdeckungen
Werden passieren
Sie schleichen sich ein bis unter die Haut
Während wir jegliche Veränderung notieren
Und kauernd aufhorchen bei jedem neuen Laut

Unbedachte Erregungen
Die deinen Puls unzählbar machen
Am Tisch liegen 2 Kugeln- nicht weit
Unausgesprochene Tatsachen
Die zweite erhöht die Wahrscheinlichkeit

Manche Entdeckungen
Werden sich in die Geschichte eingravieren
Während wir in der Gegenwart
Versuchen sie auszuradieren
Sie werden zu neuen, sinnlosen Floskeln
Die uns nicht mehr loslassen
Sie werden zu Geraden, die um uns zirkulieren
Vielleicht werden wir sie hassen
Aber wir werden sie nicht verlieren

Manche Entdeckungen
Bleiben unentdeckt
Wir wissen von ihnen
Halten sie versteckt

Manchmal hören wir sie nachhallen
Wenn Gedanken sich verselbständigen
Und vor uns auf den Boden fallen
Sie werden sich uns selbst aushändigen
Wir werden weiterhin nach der Ungewissheit krallen

Manche Entdeckungen werden wir trotz elendigen
Erregten Versuchen
Nie bändigen.

in memoriam -vertrocknet

Mittlerweile ist die Pflanze vertrocknet
Am Fensterbrett
Kurz bevor sie ihr erstes Blatt
in die Sonne
Gestreckt hat

Wir dachten sie schafft das alleine
Ohne Wasser
Ohne Worte
Dachten ihr wachsen noch Beine

Mittlerweile habe ich meinen Namen geändert
Und du die Adresse
Kurz bevor, da noch gedankenloses passiert wäre
Ich kam mit dem Messer
Und du mit der Schere

Wir dachten wir seien besser als die anderen
Haben Regeln erfunden mit roten Wangen
Sind gegen den Strom geschwommen
Um die besten Fische zu fangen

Mittlerweile liegt die Pflanze samt Topf
Im Kompost hinterm Haus
Begraben in Kartoffelschalen
Begraben neben der toten Maus

Wir dachten aus der Maus wird ein Mäusebaum
Wir dachten unser Leben sei ein wahnsinnig spannender Alptraum
Wir dachten Mandarinen seien essbare Brüste
Und dass Länder wandern bis zur Küste
Wir dachten uns Wörter aus zu Farben die schon existierten
Und am Nachmittag gingen wir so lange im Kreis
Bis wir uns verirrten

Mittlerweile
Sind all die Gedanken vergessen
Unsere Kräfte haben wir
Mindestens zweimal gemessen
Alle Versprechen ohne weiteres gebrochen
Und all das innerhalb, von weniger
Als vielen Wochen

Mittlerweile kommt die Erkenntnis jede Nacht
Wie Schluckauf der sich nicht ziert
Realität wird zu Tode gedacht
Und Gedanken zu Tode realisiert

Wir dachten noch-
Dann dachten wir nicht mehr

Mittlerweile steht eingeritzt im Mäusebaum:
‚Kurzweilig weilte sie in der Mitte,
Langweilig vermittelte sie eine Weile’

In Erinnerung an unsere Topfpflanze.
In Erinnerung an vertrocknete Träume.

Sagen sie so,

Sie sagen
Das musst du so machen
Sie sagen
Du musst dich öffnen
Du musst auch mal lachen

Ich selbst
Ein Kind der Traurigkeit
Geh zum lachen erst auf andere Kontinente
Erzähl meine Geheimnisse
Nur Rupert der Ente

Sie sagen
Das musst du so machen
Und Kompromisse eingehen
Weil so entstehen Freundschaften
Mit jenen, die davon profitieren

Man beteiligt sich am Saugen
Man sieht nur noch mit den Augen
Man lässt sich auslöffeln
Von vorne und von hinten
Und muss es genießen
Manchmal vergisst man dann
Die eigenen Topfpflanzen zu gießen

Aber so funktionierts
Sagen sie
Ein Komma hier, ein Amen dort
Die Gesellschaft profitiert
Irgendwo, an einem anderen Ort
Und deine social skills
Die musst du ausbauen
Und sollst dich nicht mehr nur zum Spass
Mit deinem Bruder hauen

Dein Leben ist zwar nicht mehr deins
Aber das muss man so machen
Sagen sie

Ich muss dann meist lachen

Rupert die Ente, grad am aufwachen
Schaut verschlafen
Und sagt nur

‚Kannst ja auch anders machen’

 

whatshallisay

Bauchgefühle

380
Was wenn wir gut genug sind
Ohne es zu beweisen
Du siehst Wind
Und greifst nach Eisen

Was wenn wir uns lieben
Ohne es zu sagen
Du hoffst auf Glück
Und wirst es nicht wagen

Was wenn wir sterben
Ohne zu leben
Du wirst mich anwerben
Und ziemlich bald aufgeben

Was wenn wir aufstehen
Für uns selbst
Die Fäden abschneiden
Die Maske abnehmen
Dem Bauchgefühl noch einmal
Vertrauen

Was wenn wir glücklich sind
Und nicht mehr kämpfen
Du siehst Wind
Das Eisen fällt dir aus den Händen
Reime kommen
Reime gehen

Weckt mich nicht auf

Abgang des Wissenden

375a

Geh!
Wissen, GEH!

Schrie ich noch,
Bevor ich schwieg

Bevor vergessene Traurigkeit
In meinen Bauch stieg
Bevor verdrängte Wahrheiten
Sich bereitmachten zum Krieg

Sie sprechen vom Wissen als Instanz
Ich bleibe naiv, manchmal nenn ich mich Franz

Du sagst es sei Demenz
Ich nenn es Vehemenz

Während der Begriff ‚Vehemenz’ ein Synonym für Butter wird
Ich dich zum 3. Mal nach mir selbst frage
Und den Kuchen unterm Bett verstecke
Manchmal auch ganz ohne Zwecke

Geh Wissen!

Ich will dich mir selbst bilden,
das Wissen,
will nicht mehr hören,
‚Hast du kein Gewissen?’

Geh Wissen!

Du bist nur noch alt und benutzt
Als Wort entfremdet
Und verfälscht

Wir wissen ich bin nur dement
Wenn es darum geht mich zu kategorisieren
Wir wissen ich bin nur vehement
Wenn es darum geht dich zu pauschalisieren

Lass uns von vorn beginnen
Tauschen wir unsere Namen
Reden wir nicht mehr um zu gewinnen
Ich bin offen wenn du es bist. Amen

Ge wissen. Geh!
Und komm dann wieder

In Form einer meiner Lieblingslieder