Einmal die Auflösung und 2 Schnaps

Ich hab’s mir hier eingerichtet
In einem kleinen Schuhkarton
Mit Farben die mich kleiden
Worte vermischt
Bilder kreiert
Eine Identität improvisiert
Mit Gesichtsausdrücken verziert

Knoten gezogen
Um die Anekdoten
Die bleiben sollen

In den Wind gestellt,
Die Begebenheiten
Die verschweigen werden

Vergessen
Dass nichts davon wahr ist
Vergessen was die Farbe
Von meinem Haar ist

Jetzt lasse ich kaltes Wasser ein
In meinen Schuhkarton
Langsam rinnen die Muster davon
Und die Texte
Die langen und kurzen
Die lösen sich auf

Die langeinstudierten Rituale
Wir sehen sie noch für einen kleinen Augenblick –
Dann schwimmen sie davon
Wie kleine Babywale

Die Ticks und Kicks
Die mich ausmachen
Auch die sind erfunden
Und bei Vermischung mit Wasser
Sind auch jene verschwunden

Genauso wie die Sitzposition
Und mein kleiner goldener Thron
Alles nur ausgedacht
Bei Vermischung mit Wasser
Wird alles ausgemacht
Auch ein bisschen ausgelacht
Und dann vereinfacht

Bei Auflösung vom Eigenen
Geht es nicht um Gleichgewicht
Oder gesunden Menschenverstand
Oder Hand in Hand
Oder meditierend abzuwarten
Oder erst nach dem Sonnengruß zu starten

Bei Auflösung hilft
Radikal und selbstmokierend
Sich lösen
Mit Wasser vernichten
Die verschiedenen Schichten

Bitte
Danke.

Der Schuhkarton ist recyclebar
So wie mein ganzes Wesen
Ich sitz jetzt in einem Boot
Ohne Wände
Aber dafür mal ich mir
Neue Ticks und Tricks auf die Hände
Und überleg mir schon ein neues
Lieblingswort
Mit dem ich bemale
Den neuen Lieblingsort

Die Segel sind gesetzt
Die Zähne sind gefletscht
2 neue Abenteuer geschätzt

Auf
zur nächsten
Lösung
Zur nächsten
Auflösung.

Prost,

Weniger Grenzen, mehr Los

Ein Jahr
Ein Stoß
Aus fremden Worten
Wurde ein Floss

Größtenteils wasserdicht
Trägt mich weiter
Trägt mich nicht

Manchmal fall ich ins Wasser
Nass bis auf die Knochen
Dann geh ich unter
Nasse Haut zieht mich runter
Nasse Augäpfel machen munter

Wenn die Wörter ausgehen
Wie Kerzen unter Wasser
Dort glaubt man Grenzen zu sehen
Dort hofft man auf gute Feen

Wenn die Satzzeichen nicht mehr passen
Und man anfängt die Sprache zu hassen
Meistens hilft dann schreien oder lachen
Um Emotionen zu vereinfachen

Jedes Wort dass man ausspuckt
Jeder Gedanke der sich neu verliebt
Jede Wimper die sich neue Ufer sucht
Und Grenzen verschiebt
Jeder Satz der sich leise entwickelt
Und laut nach Bedeutung fragt
Manchmal fühl ich mich unbegabt
Manches lasse ich ungesagt

Grenzenlos wird es nie sein
Und trotzdem spring ich noch mal rein
Rein in die Ebbe, raus bei Flut
Wirf mir noch ein paar Wörter in den Hut
Ich bastle mir Augenringe
Und ein Diadem voll Mut

Trag es am Kopf
Mit all den Wörtern voll Trotz
Ich schwimm weiter
Weit und nah
Grenzen im Wasser sind eher rar

Solang meine Hände
Mich über Wasser halten
Müssen
Kann ich mir nicht leisten
Alte Grenzen auf ein Neues
Zu küssen
Stattdessen wachsen
Ideen zu Entschlüssen

Während mich neue Wörter
Im Wasser begrüßen
Wo ich mit Salz versuch
Mir mein Leben zu versüßen
Nebenbei öffnen sich Wunden und Grenzen
Auf und unter meinen nackten Füßen

Wir grenzen uns selbst ein
Kreieren Grenzen im eigenen Schein
Wenn wir Träume verabschieden
Wenn wir Wörter verschlucken
Und uns weiter ducken
Und Hände und Füße
Nur noch leblos zucken

Manche Grenzen verschwinden
Wenn wir sagen
Los!
Und wenn nicht
Dann hilft manchmal
Ein kleiner Stoss

Oder ein Floss

Selten zu Gast im Gedankenkarussell

Ich vermiss ein wenig
Den Kopf in den Schoss zu legen
Die Gedanken rauszunehmen
Und wie kleine Katzen zu pflegen
Mit Liebe und Wärme zu hegen

Am Kinn zu streicheln
Bis sie schnurren
Davon fliegen
Auf Dächern sitzen
Und vor sich hin gurren

Gedanken die unbedacht bleiben
Weil der Raum zu klein ist
Gedanken die aneinander reiben
Weil sie sich verstecken
Heimlich neue Pläne aushecken

Meine Füße fühlen sich effizient
Weit weg vom Gedankenkarussell
Wenn der Kopf schweigt
Sich nicht neigt
Und keine Kritik zeigt

Trotzdem vermiss ich ein wenig
Diese Gedanken in der Hand
Zu füttern mit dem kleinen Finger
Gemeinsam verweilen
Im Gedankenland

Sich Zeit nehmen
Für die Worte im Kopf
Für die unangenehmen
Die an der Kopfhaut ziehen
Wie ein strammer Zopf

Und für die anderen
Für die angenehmen
Die auf der Haut pulsieren
Und Bilder zeichnen,
In neuen Farben
Die leicht wie Honig
Auf der Zunge zergehen
Süß und klebrig
Und dann im Wind davonwehen

Und meine Füße die still stehen
Und den Gedanken beim Abflug
Zusehen.

Am Anfang war ein Gefühl, oder zwei

Erzähl mir noch mal
Vom Anfang
Was passierte,
Als unsere Gefühle
Noch tanzten
Dort hinterm Vorhang

Manchmal füllt sich der Raum
Mit Leere
Leicht wie Schaum
Erzähl mir noch mal
Von unserem Traum
Ich näh noch mal
Weiter am gelben Saum

Manchmal
Wenn wir fliehen
Bei Sonnenaufgang
Wenn wir zwischen uns
Grenzen ziehen
Der Wirbelsäule entlang

Vom rechten Auge
Hinunter den Hals
Zwischen den Beinen
Bis zur linken Ferse

In zwei Hälften geteilt
Während ein Gefühl
Noch im Bauch verweilt

Wir schreien uns an
Halb und Halb
Ich bin der Löwe
Du bist das Kalb

Geöffnete Körper
Sind leichter zu durchschauen
Während wir uns gegenseitig
Die Wunden lecken
Lernen wir aufs neue zu Vertrauen
Austeilen
Einstecken
Gespaltene Körper
Können nichts verstecken

Gefühle hinterm Vorhang
Tanzen leise
Singen laut
Ein neuer Anfang
Ein Gefühl
Das vertraut
Ein Traum
Der auf all den Gefühlen aufbaut

und endlich

Unendlich viel
Unendlich lange
Kuss auf die Wange
Hand in der Zange

Mit einem Fuß ist man im nassen
Der Kopf hustet manchmal
Und man würd gern
Lassen
Loslassen
Nicht hassen
Dazupassen
Anfassen

Aber man sitzt so am Rand
Unendlich viel
Und endlich lange

Spuckt in die Hand
Weil das machen die Starken
Spuckt aufs Gewand
Weil das machen die Harten
Spuckt auf die Haut
Weil das machen die Zarten
Zeichnet sich Zeichen
Mit Spucke, wenn keiner schaut
Weil man sich traut

Der Kopf atmet weiter
Ein und aus
Unendlich viel
Unendlich lange

Man löst sich auf
Löst andere ein
Steht im trockenen
Mit einem Bein
Fällt zu Boden
Unendlich viel
Unendlich lange

Man weiß wie Astronauten das machen
Sie gleiten dahin
Gleitendes lachen
Unendlich viel
Unendlich lange
Und sind sich bewusst
Egal was kommt
Unendlich bleibt hier
Unendlich geht fort
Besser man sucht sich ein anderes Wort
Besser man sucht sich einen schönen Ort
Sonst taumelt man vor sich hin
Und her

Unendlich viel
Und
Unendlich lange
Und

Ein Avocadobaum

Fang noch mal an
Aber fang dir nichts ein
Heb erst das linke
Dann das rechte Bein

Geh ein paar Schritte
Geh nach vorne
Und lass altes beim Alten
Mach neues zu deinem
Und lass die anderen
Den Rest verwalten

Häng dir ein Schild um den Hals
Und mach die Augen zu
Kauf dir ein Schaf
Oder kauf eine Kuh

Machs diesmal anders
Als beim letzten Anfang

Wirf weg den Anhang,
All die Entwürfe und Skizzen
Im Endeffekt
Bleibst du auf denen nur sitzen

Lass die Kühe frei
Und auch die Schafe
Du bist kein Hirte mehr
Pflanz diesmal einen Avocadobaum
Nenn ihn Hermann
Oder nenn ihn Traum
Frag nicht mehr ‚Wann‘
Bade in Licht und Schaum
Sag nicht mehr ‚Dann‘

Und erzähel von diesem Anfang
Von deinem Baum
Erzähl mir
Von deinem Traum

Von Anfang
Bis zum Ende

Fang noch mal an

abgängig in kurz

Mein Name
Sollt sich nicht mehr in deine Hände verirren
Die sind schmutzig und kalt
Unsere Gefühle von früher
Liegen begraben im Wald

Dein Abgang war meiner
Das Spektakel habe ich dirigiert
Du dachtest, meine Egozentrik
Ist vor zu viel Wein mit Selbstlob
Einfach nur irritiert
Meine Vernunft, ertrunken im Schaumbad
Bevor sie sich blamiert
Ich glaube beide waren nicht mehr
Interessiert

Trauma bestätigt
Empfangen
Beseitigt
Solange wir bleiben
Sind wir gefangen
Verweichlicht
Verheimlicht
Verhangen

Du versuchst noch mal
Am letzten Wort
Ein weiteres anzuknüpfen
Ich lerne jetzt
Von Bäumen auf Dächer zu hüpfen

Brauchst du die Rechnung?
Oder kann ich sie verwerfen
Ich kann dir eine Zeitbestätigung zukommen lassen
Oder Tee ohne Zucker in schwarzen Tassen
Wir können uns weiter nicht sehen
Oder uns weiter hassen

Ich hab gelernt mit Wörtern zu brechen
Und auch mit Menschen
Hab gelernt zu wachsen an Schwächen
Erträumtes nicht mehr in der Realität zu rächen

Der Abgang war leichter
Nicht als gedacht
Der Abgang war von Anfang an
Leicht gemacht

Dramatische Abgänge
Sind meistens keine
Manchmal gleicht das Ganze viel mehr
Einem Losmachen
Von einer zu kurzen Leine

Schienbeine

Manchmal feiere ich diese Blockaden
Und auch die Stoppel auf den Schienbeinen
Und auf den Waden
Und auch die Zeichnung
die ich auf die Türe hänge
Die ich absolut nicht schön finde
Und die laut demonstriert
gegen alle Perfektionszwänge
Oder die Mitesser
Die garnicht mitessen
Meistens auf der Nase
Wie Blumen die halbvergessen
Herumhängen in ihrer Vase

Ich sammle diese Fehler
Und manchmal sitzen wir zusammen
Meist auf Nacht
Dann besprechen wir die Lage
Bis jeder nur noch lacht

Mit Fehlern lässt sichs gut amüsieren
Die sind authentisch
Und können bei ‚Mensch ärger dich nicht’
Gut verlieren
Keiner hat eine Maske vorm Gesicht
Vor allem lügen sie dich nicht an
Und stellen sich nicht dar in falschem Licht

Das schönste daran
Ist die Erkenntnis
Die man dann meistens erkennt

All unsere Fehler und Schwächen
Und alle Blockaden
Die Makel im Gesicht
Die Narben und Dellen
All die Flecken, die dunklen und hellen
Und die Krampfadern an den Waden
Aus schwachsinnigen Gründen
Verstecken wir sie lieber in Schubladen

Anstatt sie voll Stolz
In der Sonne
wie die eigene Haut zu tragen
Und laut und deutlich
‚Das bin ich. Danke dafür.’
Zu sagen

Bäume im Meer

Vor zu vielen Bäumen
Siehst du den Wald nicht mehr
Ich schau noch mal hinter mich
Hinter mir liegt das Meer

Ich seh weder Wälder
Noch seh ich Bäume
Angeblich passiert genau das
Am Meer
Angeblich wirst du nass
Wenn du reingehst
Sogar sehr

Wir sind uns nicht einig
Wenn es um unsere Umgebung geht
Du bist einer
Der sich freut wenn mitten am Weg
Ein Baum steht
Du dann drum herum gehst
Oder manchmal einfach
Darunter stehst

Du sagst die Bäume geben dir Schutz
Und niemand kann dich finden
Ich glaub du magst den Geruch
Von harzigen Baumrinden

Ich bin eine
Ich sehe lieber keine
Bin lieber mittendrinnen
Und nass, außen und innen
Und wenn ich nach vorne schau
Dann ist alles blau

Und wenn ich still liege
Dann trägt es mich einfach
Wie eine Wiege
Es gibt keine Richtung
Und vor allem keine richtige
Das ‚im Meer sein’
Im großen und ganzen
Ist das wichtige

Mir ist es ein Rätsel
Wie wir uns gefunden haben
Ich beobachte Fische
Du beobachtest Bienenwaben

Meine Haut riecht nach Salz
Und du riechst ein bisschen nach Erde

Butterbrot mit Glück

Ich nehm mir ein Stück Glück
Nur für die Reise
Ich gebs dir auch zurück
Ich versprech,
Ich nutz es weise

Kannst du dich erinnern als wir Glück
Im Garten anbauen wollten
Getrocknete Blumen und Papiervögel
In ein Stück Stoff einrollten
Dazu Geschichten von den glücklichen Tagen
Das ganze legten wir in die Erde
Abwechselnd haben wir gegossen
Und nebenbei den Anblick
Von wachsendem Glück genossen

Der Grund war nur der eine
Wir wollten es frei laufen lassen
Nicht wie die anderen mit ihrem Glück an der Leine
Wir wollten nicht mehr sparsam sein
Im Umgang mit Glück
Wollten es nutzen
Manchmal auch nicht weise
Wollten uns schmücken mit Glück
Manchmal laut und manchmal leise
Wollten selbständig entscheiden
Wann wir glücklich sind und wann nicht
So wie wir entscheiden
Wann es dunkel ist und wann es wird Licht

Irgendwann haben wir vergessen
Zu gießen den kleinen Glücksbaum
Nach der letzten Ernte
Gingst du davon
Und ich ging weiter

Im Keller stehen noch ein paar Gläser
Vollgefühlt mit Glück
Manchmal kommen wir,
deswegen wieder zurück
Um nochmal gemeinsam
Butterbrote mit Glück zu beschmieren
Um nochmal gemeinsam
Uns wegen unserer Naivität zu genieren

Du hast auf deinen Reisen gelernt
dass Glück nicht auf Bäumen wächst
Und nennst dich jetzt erwachsen,
Ich glaub noch immer an den Glücksbaum
Du sagst das waren Hirngespinste,
blöder als jeder Traum

Ich weiß, bei jeder Abreise
Packst du dir ein Glas ein
Ich sag dir ‚Nutz es weise’
Du sagst ‚Glück ist besser als roter Wein’
Trotz deiner neuen Lebensphilosophie
Hängst du noch an den Hirngespinsten
Und ich hänge noch am konservierten Glück

Aber wir wissen,
nach dem letzten Glas gibt’s kein zurück
Wir sind jetzt erwachsen
Da schmiert man sich kein Glück-
Weder auf Butter noch aufs Brot
Man trinkt Wein zum Leben
Am besten rot
Umso bitterer umso reiner
Die Portionen von Glück
Die wir uns zugestehen
Werden immer kleiner