Butterbrot mit Glück

Ich nehm mir ein Stück Glück
Nur für die Reise
Ich gebs dir auch zurück
Ich versprech,
Ich nutz es weise

Kannst du dich erinnern als wir Glück
Im Garten anbauen wollten
Getrocknete Blumen und Papiervögel
In ein Stück Stoff einrollten
Dazu Geschichten von den glücklichen Tagen
Das ganze legten wir in die Erde
Abwechselnd haben wir gegossen
Und nebenbei den Anblick
Von wachsendem Glück genossen

Der Grund war nur der eine
Wir wollten es frei laufen lassen
Nicht wie die anderen mit ihrem Glück an der Leine
Wir wollten nicht mehr sparsam sein
Im Umgang mit Glück
Wollten es nutzen
Manchmal auch nicht weise
Wollten uns schmücken mit Glück
Manchmal laut und manchmal leise
Wollten selbständig entscheiden
Wann wir glücklich sind und wann nicht
So wie wir entscheiden
Wann es dunkel ist und wann es wird Licht

Irgendwann haben wir vergessen
Zu gießen den kleinen Glücksbaum
Nach der letzten Ernte
Gingst du davon
Und ich ging weiter

Im Keller stehen noch ein paar Gläser
Vollgefühlt mit Glück
Manchmal kommen wir,
deswegen wieder zurück
Um nochmal gemeinsam
Butterbrote mit Glück zu beschmieren
Um nochmal gemeinsam
Uns wegen unserer Naivität zu genieren

Du hast auf deinen Reisen gelernt
dass Glück nicht auf Bäumen wächst
Und nennst dich jetzt erwachsen,
Ich glaub noch immer an den Glücksbaum
Du sagst das waren Hirngespinste,
blöder als jeder Traum

Ich weiß, bei jeder Abreise
Packst du dir ein Glas ein
Ich sag dir ‚Nutz es weise’
Du sagst ‚Glück ist besser als roter Wein’
Trotz deiner neuen Lebensphilosophie
Hängst du noch an den Hirngespinsten
Und ich hänge noch am konservierten Glück

Aber wir wissen,
nach dem letzten Glas gibt’s kein zurück
Wir sind jetzt erwachsen
Da schmiert man sich kein Glück-
Weder auf Butter noch aufs Brot
Man trinkt Wein zum Leben
Am besten rot
Umso bitterer umso reiner
Die Portionen von Glück
Die wir uns zugestehen
Werden immer kleiner

Hier ein bisschen Glück

Ich glaube dass wir uns leichter tun
So generell, im Miteinander
Wenn wir uns gegenseitig auf die Hände schreiben
„Hier ein bisschen Glück“

Und wir dann zusammen weiter gehen
Bis ans Meer
Und uns nicht wegstoßen,
Zwecks Notwehr
Gemeinsam beschließen
Ab jetzt gibt’s kein Zurück

Ich glaube Glück sollte man nicht konservieren
Oder für schlechtere Zeiten aufheben
Man kann sich kein Stück Glück reservieren
Es wird langsam an uns vorbei schweben
Während wir uns zu sehr aufs ‚Bestehen’ konzentrieren
Glück sollte unser Leben
Nebenbei verzieren

Am besten man konsumiert frisch,
Glück genau dort wo man es findet
Es gibt nichts dass uns daran bindet
Oder Sicherheit
Dass es so bleibt
Und man für immer Glück teilen kann

Zu zweit

Meistens gibt es ein Ende
Auch bei viel Glück
Aber das ändert nichts an der Geschichte
Die uns entzückt

Bis sie verunglückt

Man kann sich auch in den rosa Himmel verlieben
Mit dem Wissen dass er geht
Obwohl man genau unter ihm steht
Man fühlt wie rosa Wind durch die Haare weht
Für den Moment war es rosa
Und für den Moment war das genug
Durch ein Ende
Wird deine Geschichte nicht gleich zu Betrug

Es ist nicht naiv
Glück zu akzeptieren
Im Augenblick
Glück zu nehmen
Und sich fallen zu lassen
Wie bei einem Kick

Vielleicht
Ist das der Trick

Auch bei Sturm

Bitte stell mir deine Geister vor
Die manchmal sitzen in deinem Ohr
Und all die Dämonen
Die seit Jahren
Angeblich in deinem Bauch wohnen

Ich hab zwar gesagt
Ich würde klar kommen
Wenn du sie einsperrst
Um sie zu bändigen
Aber ich möchte mich waffenlos
All den wilden Tieren
Aushändigen
Sonst wird unsere Geschichte
Zu einem quälenden Zirkus
Zu einem elendigen

Bevor sie uns kurz nach Beginn einfach weiterleiten
Können wir einen Tauschbazar veranstalten
Du darfst meine schlechten Seiten
In deinen Händen halten
Manchmal schnurren sie
Dann darfst du sie mit Fingerfarben frei gestalten

Ich werde deinen Flausen im Kopf
Ein Nest bauen
Und sie werden sich wohlfühlen
Werden wahrscheinlich nicht mehr abhauen
Ohne Hintergedanken
Lernen wir so zu vertrauen

Und all unsere Angewohnheiten
Werden sich zu Erkennen geben
Und manchen werden wir nachwinken
Mit anderen werden wir zusammenleben
Vielleicht werden wir ein Stückchen tiefer sinken
Aber es wird kein Blut an unseren Fingern kleben

Im Notfall
Bauen wir uns einen Leuchtturm
Nicht wegen dem Licht
Oder wegen den Booten
Mehr so, als Zeichen
Und falls meine Hände
Deine Hände
Nicht erreichen

Dann leuchtets dort am Turm
Und es leuchtet auch
Bei Sturm

für mich

Ein Liebesgedicht

Manchmal nerv ich nicht
Mich selbst während einer spricht
Dann bin ich gefangen
in einer Mischung aus Selbstaufgabe
Und Verlangen

Manchmal gebe ich auf zu bestehen
Schau dem Wind zu
Und lass meine Haare wehen
Hör sogar auf mich im Spiegel
Das Tausendste mal anzusehen

Manchmal liegen meine Hände still und leicht
Auf meinem Bauch
Und ich spür den eigenen Puls
Und für den Moment reicht das dann auch

Manchmal schreib ich mir auf Füße und andere Gelenke
Komplimente an mich selbst
Und sitz auf Brücken
Während ich die guten Worte hin und herschwenke
Und zuschaue wie sich unter mir schließen
Belanglose Lücken

Das sind die guten Momente
In denen ich Liebesgedichte
Auf rauen Oberflächen hinterlege
Und mich auf Seilen von Dach zu Dach
Grazil über fremden Lebensansichten
Tanzend hin und her bewege

Das sind die Momente
In denen dramatische Abgründe
Zu Hintergründen werden
Während das Lächeln auf meinem Mund
Wieder reinrutscht in den Vordergrund

Momente
Die sich abzeichnen auf der Haut
In denen ich diejenige bin die sich traut
Weiterzumachen
Und sich selbst auszulachen
Allein aufzuwachen
Freundschaften schließt
Mit eigenen Drachen

Und die Augen nicht zu verschließen
Wenn sie am Rande der Dächer stehen
Um auf dich zu schießen

(juni/2017)

Ein Fluss

Wo sind die Grenzen
Zwischen Einfluss und Vereinnahmung
Welche Manipulierung dürfen wir schwänzen
Und wann dürfen wir Laut geben
Zur Warnung

Wo war der eine Schritt
Den du zu weit gegangen bist
Wer gab dir einen Tritt
Und hat dich gefangen
Ohne großer List

Deine offenen Hände
Wurden manipuliert
Du hast ein Geschenk bekommen
Hast Lügen mit Hoffnung verwirrt

Du nähst dir Vorhänge
Für deine eigenen Augen
Ziehst die Gedanken in die Länge
Lässt dir von Fremden
Die Energie aussaugen

Deine Füße tragen weitere Lasten
Du gehst fremde Wege
Dein Atem kommt seit langem
Nicht mehr zum Rasten
Dein Rücken steht in der Schräge
Während dein Körper sich biegt
Und ein fremdes Gefühl
Über dein eigenes siegt

Der Anfang war wie ein Kuss
Ein sanfter ohne Hintergedanken
Jetzt wirst du weitergezogen von einem Fluss
Dein Boot ohne Segel gerät immer mehr ins schwanken
Die Ruder hast du längst verloren
Wir hatten uns mal Ehrlichkeit geschworen

Diejenigen die übrig bleiben
Können am Ufer dem Fluss zusehen
Und Wörter immer wieder umdrehen
Einfluss oder
Manipulation
Ein Fluss
Oder selbstgerechter Hohn

Du treibst davon grinsend
Und neben all dem winken
Schauen wir einfach zu
Während du und dein Boot
Ohne großem Wirbel
Einfach versinken

Oder Bussi Baba

In der Fortbewegung
Von einem Gedanken zum nächsten
Vergesse ich meistens
Den einen Guten den ich hatte davor
Bevor er davonschlich aus dem linken Ohr

Ich schreibe in den Sand
Bussi Baba
Vielleicht sehen wir uns nochmal
In einem Jahr

Meistens kommt er dann wieder
Und in einer Gedankenvereinigung
Schreiben mein Kopf und mein Herz
Zusammen Lieder
Und singen sie
Immer und immer wieder

Genau wegen diesem Singsang
Geh ich immer wieder weg
Schreib auf die Hand
Bussi Baba
Und distanziere mich
Manchmal auch lang

Ich habe meinen Füßen
Die Aufgabe gegeben
Nicht stehen zu bleiben
Mache trotzdem Zigarettenpausen
Um kurz zu pausieren
Und mir manche Gedanken einzuverleiben
Und den Kopf und das Herz
Noch ein bisschen zu verwirren

Im Endeffekt
Schreibe ich auch auf die Füße
Bussi Baba
Die sind vom vielen weitergehen
Auch ziemlich verdreckt
Aber wir sind ziemlich eingespielt
Und haben mittlerweile
Zwischen Trödeln und Eile
Eine gute Balance erzielt

Meine Erkenntnis zur Welt
Ist, dass sie nichts zusammenhält
Jeder kämpft ums eigene überleben
Bleibt hängen beim hirnwichsen
Und glaubt irgendwann trifft er auf Wunder
Kobolde oder Wassernixen

Deswegen bin ich geworden
Ein ‚Bussi Baba’
Kurz bevor sich Gedanken aufhängen
Und ich stecken bleibe
In fremden Zwängen

Ein einfaches
In die Luft geworfenes
Bussi Baba
Wahrscheinlich treffen wir uns wieder
Wenn einer sagt
Ja

Oder Bussi Baba

Bis sie ein Teil werden, vom eigenen Fuß

Kennst du die Geschichte von dem Einen
Der ausflog um Igel von ihren Stacheln zu befreien?
Bitte tus verneinen!
Dann werde ich dich höchstpersönlich einweihen

Es war einmal Einer oder Eine
Dieser hatte eine Nase und Beine
Ging durch die Gegend mit einem Ziel
Igel zu befreien von all den Stacheln
Dachte sie sind nur nackte Mäuse mit viel Unglück
Dachte wenn er die Stacheln entfernt
Gibt er ihnen ihre Ursprungsform zurück

So wurde er Experte im Befreien
Ging von Haus zu Haus
Zog Schiefer und Splitter aus Füßen heraus
Konzentriert, auch wenn manche plötzlich aufschreien
Manchmal entfernte er auch unangenehmes aus Herzen
Meistens kamen sobald er ging, dann die Schmerzen

Er wusste noch nichts von Wundreinigung
Und das Herzen neigen zur Selbstheilung
Wenn man ihnen gibt die nötige Zeit
Er entfernte was zu entfernen war
Und ging dann weiter, zur eigenen Sicherheit

Als er verschrien war als Einer
Der nur Schmerzen und Löcher hinterließ
Musste er abreisen
Er ging los und wollte allen beweisen
Dass Entfernungen von Fremdkörpern
Eine Notwendigkeit war
Und seine Aufgabe von Wichtigkeit sei
ganz und gar

Er studierte an sich selbst
Zerbrach eine gefundene Fensterscheibe
Ging durch die Scherben ohne Schuh
Spürte im Schmerz eine Befriedigung am eigenen Leibe
Und im herauslösen einzelner Splitter
Fand er seine Ruh

Er lachte die Menschen aus
Die sich verkrampften
Sobald Splitter sich fanden
Sie lieber feststampften
Bis sie ein Teil werden vom eigenen Fuß
Anstatt sie sachte zu lösen und davonzuschicken mit einem Gruß

Und er wurde traurig
Wenn er die Menschen sah
Wie sie humpelnd jeden Splitter im Fuß
Als Prüfung einfach hinnahmen
Ohne zu merken wie sie langsam erlahmen
Aber er war keiner der rumging
Um andere zu ermahnen

Auch erkannte er dass nicht jeder Fremdkörper
Ein Übel ist
Man musste differenzieren
Durfte sich nicht im anfänglichen Schein verirren
Musste erst beobachten, sich anfreunden
Um dann zu entscheiden
Ob eine Trennung die Lösung sei
Oder ob der Fremdkörper eine Bereicherung war
Für die beiden

Er behielt seine Weisheit für sich
Wusste von der Menschheit
Sie war noch nicht bereit
Und er war auch das klugscheißen ziemlich leid

So sah man ihn nicht mehr
Manche munkelten er sei der Verrückte
Einer dem das Leben ist zu schwer
Bis er irgendwann
An selbstzugefügten Splittern verunglückte

Manche sagen sie sehen ihn noch heute
Und dass jetzt Igel sind seine neue Beute
Er sitzt mit ihnen und zieht ihnen Stachel für Stachel
Bis sie zahm werden
So fand er seinen Frieden auf Erden

Ich glaub nicht daran
Ich glaube er lebt noch immer mit seiner Erkenntnis
Über Splitter und Unannehmlichkeiten
Läuft über Scherben und zieht die unangenehmen heraus
An den anderen wächst er selbst über sich hinaus

Tanzt mit Igeln und Mäusen
Lässt sich nicht mehr verurteilen
Muss sich nicht mehr um Erklärungen beeilen
Er wurde zum Tänzer und er ist der einzige den man kennt
Der einzige der unangenehmes beim Namen nennt

Er tanzt alleine auf Festen und fremden Hochzeiten
Tanzt als einziger..

Weil
Ohne Splitter in den Füßen
Muss man seine Tanzfähigkeit nicht einbüßen